Jubiläum: Eine Mauer aus Leuchtballons teilt Berlin

27. Oktober 2014, 08:10
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Berlin erinnert am 9. November an den Fall der Mauer 1989. Der Verlauf der einstigen Grenze wird auf 15 Kilometern mit 8000 Leuchtballons nachgestellt

Berlin - "Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben" - davon war der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker noch im Jänner 1989 überzeugt. Doch es kam bekanntlich ganz anders. Schon elf Monate später hatte jenes Bauwerk, das 28 Jahre lang den Osten und den Westen Berlins getrennt hatte, seine Funktion und seinen Schrecken verloren.

Am 9. November jährt sich der Fall der Mauer zum 25. Mal, und Berlin wird mit einem großen Bürgerfest an diesen "glücklichsten Tag der jüngeren deutschen Geschichte" - wie Kanzlerin Angela Merkel den 9. November einmal bezeichnete - erinnern.

155 Kilometer Mauer

Dafür wird die Mauer drei Tage lang sogar wieder "aufgebaut", allerdings nicht mit Steinen und Ziegeln. Am zweiten Novemberwochenende, von 7. bis 9. November, stehen 8000 Ballons aneinandergereiht in Berlin und zeigen, wo die Mauer von 1961 bis 1989 verlief. 155 Kilometer waren es damals auf der Gesamtlänge zwischen Ost- und Westberlin, 43 Kilometer in der Innenstadt.

Nicht der gesamte Mauerverlauf wird nachgezeichnet, aber 15 Kilometer entlang des ehemaligen Todesstreifens sollen die Stadt erhellen - als "Symbol der Hoffnung für eine Welt ohne Mauern".

Die 8000 Heliumballons stehen drei Tage lang an der ehemaligen Grenze, am Abend des 9. Novembers werden sie dann der Reihe nach in den Himmel steigen, während am Brandenburger Tor die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim Beethovens Ode an die Freude spielt.

Botschaften am Ballon

Für das Entschweben der Ballons werden ihre 8000 Paten sorgen. Diese schicken jedoch nicht nur die Heliumkugeln in den Himmel, sondern auch eine Botschaft. So schreibt Lina aus dem evangelischen Gymnasium Köpenick: "Der Mauerfall hat uns allen gezeigt, dass man das Undenkbare möglich machen kann." Sven meint: "Wir Menschen bauen immer noch zu viele Mauern und zu wenige Brücken." Und Bodo erinnert mit bloß einem Wort an auch scheinbar Banales und den Mangel in der DDR: "Bananen!"

Während die berlineigene Gesellschaft für Kulturprojekte, die die Pläne des Berliner Lichtkünstlers Christoph Bauder realisiert, von einer "ergreifenden visuellen Idee" schwärmt, gibt es an der "Lichtergrenze" auch Kritik. Tenor: Die Ballons würden das Monströse der ehemaligen Mauer viel zu sehr verharmlosen.

Lehrer von Berliner Schulen sind hingegen froh, dass sie ihren Schülern den Verlauf der Mauer etwas besser zeigen können. Denn von der Originalmauer stehen 25 Jahre nach dem Fall in Berlin nur noch wenige Reste.

200 Meter Originalstück

Eine Dauerausstellung über die Teilung gibt es in der Bernauer Straße, jener Straße, durch die die Mauer 28 Jahre lang mitten hindurch verlief, wo sie Häuser und Familien trennte. Ein 200 Meter langes Originalstück ist unweit des Potsdamer Platzes in der Niederkirchnerstraße auf dem Gelände des Dokumentationszentrums "Topographie des Terrors" zu sehen.

Das längste und auch bunteste Stück bildet die East-Side-Gallery zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke. Diesen 1,3 Kilometer langen Teil haben Künstler aus aller Welt gestaltet. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 27.10.2014)

  • Visualisierung der Lichtgrenze am Brandenburger Tor
    foto: daniel büche, kulturprojekte berlin_whitevoid / christopher bauder

    Visualisierung der Lichtgrenze am Brandenburger Tor

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