"Viel Soldatenglück" für 902 Rekruten und eine Rekrutin am Nationalfeiertag

26. Oktober 2014, 13:22
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Öffentliche Angelobung auf dem Heldenplatz - Heer präsentiert "in äußerst schwierigen Zeiten eine etwas reduzierte" Leistungsschau

Wien - Eigentlich ist die Dame mit der roten Windjacke ja "wegen Helene Fischer" in Wien, der deutsche Schlagerstar konzertierte Freitag- und Samstagabend in der Stadthalle. Aber wenn schon in der Bundeshauptstadt, und das auch noch am Nationalfeiertag, dann muss auch das gefeiert werden, sagt der Fan aus Schärding in Oberösterreich im derStandard.at-Gespräch. Während ihr vierjähriger Enkel Johannes in der Schlange derer steht, die mit der Seilrutsche des Jägerbataillons 24 - Motto: "Voran unter dem Edelweiß" - über den Heldenplatz rutschen wollen, sagt die Frau: "Ich finde, das Militär ist trotzdem wichtig für uns, und soll so bleiben, wie es ist. Auch die Militärmusik. A bissi stolz sein muss man schon auf unser Bundesheer."

Auch wenn im heurigen Jahr bei der traditionellen Leistungsschau des Heeres auf dem Heldenplatz eine, wie der Militärkommandant von Wien, Kurt Wagner, später bei der öffentlichen Angelobung von 902 Rekruten und einer Rekrutin, sagen wird, "etwas reduzierte, aber trotzdem eindrucksvolle Schau" geboten werden. Immerhin, erinnert Wagner, befinde sich das Bundesheer "in äußerst schwierigen Zeiten".

Der Eurofighter wurde eingespart

Das Publikum ist trotzdem begeistert. Zwischen Langos-, Riesenkrapfen-, Brezel- und Würstelstandeln sowie Kaffee-, Bier- und Punschbuden wird herumflaniert und militärisches Gerät fotografiert und begutachtet. Kinder klettern in die vier Hubschrauber, die zu Wochenbeginn von Langenlebarn nach Wien geflogen wurden. Dazwischen junge Soldaten, die mit Waffe um die militärischen Geräte patrouillieren und die Besucher im Blick behalten. Zu besichtigen gibt es den S70 "Black Hawk", eine Agusta Bell 212, eine OH 58 und eine Alouette III. Dem Sparzwang zum Opfer gefallen ist das Eurofighter-Modell ("Mock up"), auch die Zahl der Panzer wurde heuer reduziert.

Die angespannte Situation ist auch der Schärdingerin bewusst und so kommt sie extra noch einmal zurück, um noch etwas extra zu sagen: "Das Bundesheer hat uns so geholfen beim Hochwasser 2013. Alle Achtung! Das sollen'S uns ja nicht wegnehmen, sonst müssen wir auch auf die Straße gehen." Ja, sie würde für den Erhalt des Bundesheeres demonstrieren, betont die Dame aus Oberösterreich am Rand der Seilrutsche, die im Ernstfall zum Beispiel für Bergungen von Verletzten zum Einsatz kommt.

Hoffen, "dass nix passiert"

Um 10.30 Uhr wird es dann offiziös. Die Bundeshymne ertönt, eine Frau singt besonders laut die Rumpfpassage "Heimat bist du grooooßer Söhne" und zwinkert ihrem Mann dabei zu. Die Flagge wird gehisst und Militärkommandant Wagner übergibt das Wort an den Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Er begrüßt die "liebe Rekrutin" und die lieben 902 Rekruten, die seit Anfang Oktober Dienst tun im österreichischen Heer. "Insbesondere für den Katastrophenschutz, aber auch für internationale Einsätze" sei das Heer "unentbehrlich", sagt Häupl. Darum sei auch der Dienst der heute Angelobten "unentbehrlich". Dann dankt er ihnen und wünscht allen, "wie man in Wien sagt: dass nix passiert."

Wie es sich nach einer kurzen Ansprache des Bürgermeisters von Wien gehört, spielt die Gardemusik den Marsch "Wien bleibt Wien".

Dann ist Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) dran, der an die "ganz besondere Bedeutung" des Nationalfeiertags erinnert. Einhundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und 75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs sei die Erinnerung an die Wiedererlangung der "staatlichen Souveränität" und das Bekenntnis zur Neutralität besonders wichtig.

Traditionelle Kranzniederlegungen

Bereits am frühen Vormittag hatte Klug mit Bundespräsident Heinz Fischer und Generalstabschef Othmar Commenda und danach die Bundesregierung in der Krypta und im Weiheraum am Burgtor auch heuer wieder Kränze niedergelegt und der toten Soldaten und der im NS-Regime Getöteten gedacht.

Heute könne man "mit Stolz auf ein gefestigtes, stabiles und wohlhabendes Österreich im Herzen Europas blicken", sagte Klug, forderte aber auch, dass sich Europa sicherheitspolitisch "emanzipieren und mehr Verantwortung übernehmen" müsse: "Wer Österreich schützen will, muss Europa verteidigen." Dabei würden jene rund 1055 Soldaten aus Österreich mithelfen, die derzeit in internationalen Friedensmissionen eingesetzt seien.

Darauf haben sie Klugs Wort

Trotz der "gewaltigen Herausforderungen", deutete auch Klug die budgetäre Lage des Heeres an, gab er ein Versprechen ab: "Die Österreicherinnen und Österreicher können sich auch in Zukunft zu hundert Prozent auf ihr Bundesheer verlassen. Darauf haben Sie mein Wort."

Als aktuelle Hauptaufgabe bezeichnete Klug die Reform des Grundwehrdienstes. Was man derzeit in laufenden Pilotprojekten teste, werde mit Jahresbeginn 2015 in ganz Österreich voll umgesetzt. Dann erhalte jeder Einsatzsoldat zusätzlich zur militärischen Basisausbildung etwa eine gesonderte Katastrophenhilfe-Ausbildung und eine Ausbildung im Bereich der Cyber-Sicherheit: "Alles Gute und viel Soldatenglück. Es lebe das österreichische Bundesheer. Es lebe die Republik."

Eine "Armee des Friedens"

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) erinnerte in seiner Ansprache an den Wiener Kongress vor 200 Jahren, der die "Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Feldzügen" gebracht habe. Heute spiele das Bundesheer bei der "Verteidigung der humanitären Einsatzfähigkeit" Österreichs eine zentrale Rolle. Die Bevölkerung wisse "nicht nur am Nationalfeiertag, welchen Schutz das Bundesheer leistet", sagte der Kanzler und betonte: "Dieses Bundesheer ist eine Armee des Friedens" - und es werde "hoffentlich nie mehr" eine Kriegsarmee.

Bevor dann der Oberbefehlshaber des Heeres, der Bundespräsident, ans Mikrofon trat, gab die Kapelle den Marsch "Oh du mein Österreich". So wie auch der Kanzler kein Wort über die aktuelle Spardebatte um das Heer verlor, beließ es auch Fischer bei einer Erinnerung an die "Weichenstellung", die das Neutralitätsgesetz mit dem Beschluss am 26. Oktober 1955 gewesen sei: "Wir brauchen unser Bundesheer nicht für offensive, aggressive Aufgaben, wir sind stolz auf unser Bundesheer, das unserer Sicherheit, Freiheit, dem Katastrophenschutz und der Neutralität dient", sagte Fischer: "Es lebe der österreichische Nationalfeiertag. Es lebe die Republik Österreich."

Das Vaterland verteidigen

Danach aber waren die Rekrutin und die Rekruten an der Reihe. Sie gelobten unter anderem, "mein Vaterland, die Republik Österreich, unser Volk zu schützen und mit Waffen zu verteidigen". Danach erklangen zuerst die Bundeshymne und dann die Europahymne über den Heldenplatz und die Aufmerksamkeit verschob sich wieder hin zu den Standeln und dem militärischen Parcours. Während ein kleiner Bub meinte: "Ich will Zuckerwatte", wollte die Oma etwas anderes: Präsident-aus-der-Nähe-schauen. Denn nicht nur in der Hofburg, auch im Parlament und in mehreren Ministerien sind am Nationalfeiertag die Türen offen für interessierte Bürgerinnen und Bürger. (Lisa Nimmervoll, derStandard.at, 26.10.2014)

  • Anlässlich des Nationalfeiertags wurden am Nationalfeiertag 902 Rekruten und eine Rekrutin auf dem Heldenplatz öffentlich angelobt.
    foto: standard/fischer

    Anlässlich des Nationalfeiertags wurden am Nationalfeiertag 902 Rekruten und eine Rekrutin auf dem Heldenplatz öffentlich angelobt.

  • Anwesend waren Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann sowie Verteidigungsminister Gerald Klug (v. re.).
    foto: apa/bundesheer/minich

    Anwesend waren Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann sowie Verteidigungsminister Gerald Klug (v. re.).

  • Traditionelle Kranzniederlegung in der Krypta.
    foto: apa/bka/wenzel

    Traditionelle Kranzniederlegung in der Krypta.

  • Das Österreichische Bundesheer sei kein Kriegsheer und werde es hoffentlich nie sein müssen, sagte Kanzler Werner Faymann (im Bild rechts) bei seiner Rede.
    foto: apa/bka/wenzel

    Das Österreichische Bundesheer sei kein Kriegsheer und werde es hoffentlich nie sein müssen, sagte Kanzler Werner Faymann (im Bild rechts) bei seiner Rede.

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