Hirscher fährt in Sölden alles nieder 

26. Oktober 2014, 16:03
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Erster österreichischer Riesentorlauf-Sieger in Sölden seit dem Herminator 2005 - Klarer Erfolg vor dem Deutschen Dopfer

Sölden - Es war eine regelrechte Demonstration, die Marcel Hirscher am Sonntag im Riesentorlauf zu Sölden vor 15.000 euphorisierten Zuschauern abgeliefert hat. Der Salzburger gewann nach Halbzeitführung und mit sagenhaften 1,58 Sekunden Vorsprung auf den Deutschen Fritz Dopfer. Der drittplatzierte Franzose Alexis Pinturault lag 2,06 Sekunden zurück. Der ÖSV durfte sich nach dem Ex-aequo-Sieg Anna Fenningers am Vortag auch über den ersten Erfolg der Herren beim Heimauftakt seit Hermann Maier 2005 freuen. Benjamin Raich schrammte zudem nur knapp am Podest vorbei – eine Hundertstelsekunde hinter Pinturault auf Platz vier.

Brutale Geräte

Ted Ligety gegen den Rest der Welt, so hatte eigentlich das Motto des Rennens bei Prachtwetter auf dem Rettenbachferner gelautet. Doch nach Durchgang eins deutete alles darauf hin, dass es einen Showdown zwischen dem Halbzeitführenden Hirscher und den 19 Hundertstel zurückliegenden US-Amerikaner geben würde. In der Entscheidung aber patzte der dreifache Söldensieger im Flachstück vor dem Ziel und fiel auf Platz zehn zurück. Somit war der Weg für Hirscher geebnet, der mit viertbester Laufzeit im Finale seinen 24.Weltcupsieg fixierte.

"Die Geräte schieben brutal an, da geht echt die Post ab", sagte Hirscher dieser Tage immer wieder, und die Läufe des neuerdings mit ausgeprägteren Muskelpaketen ausgestatteten Salzburgers bestätigten dies. "Es war nicht leicht heute, aber es hat perfekt funktioniert. Es ist immer großartig, wenn man alles riskiert und gewinnt. Heute war ich extrem nervös. Es war nicht leicht die letzten zwei Wochen, die Last auf meinen Schultern war enorm. Ich bin echt befreit", sagte Hirscher. Raich klagte nicht über Rang vier: "Natürlich wäre es möglich gewesen, eine Hundertstel schneller zu fahren. Es war trotzdem ein sehr schöner Tag.".

Neuer Renndirektor

Weniger erfreulich lief es für die übrigen Läufer des ÖSV. Nur vier Mann schafften es im ersten Rennen unter Cheftrainer Andreas Puelacher ins Finale. Philipp Schörghofer kam über Rang 25 nicht hinaus. Christoph Nösig feierte ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss mit Platz 19 immerhin ein gelungenes Comeback.

Noch vor dem Weltcup-Auftakt war die 23-jährige Ära von Günter Hujara zu Ende gegangen. Der Deutsche wurde von Markus Waldner als Renndirektor der Herren abgelöst. Der 51-jährige Italiener versprach zwar keine Revolution, dennoch will er einiges im Skizirkus umkrempeln.

Mehr Spektakel

Der aus Brixen stammende Magister der Sportwissenschaften will Abfahrten noch mehr Richtung Spektakel entwickeln, Startzeiten vereinheitlichen, Technikrennen kompakter gestalten und in puncto Sicherheit die Entwicklung von Airbags vorantreiben.

Dass es angesichts des immer älter werdenden TV-Publikums neuer Formate bedarf, ist man sich innerhalb der Internationalen Skiverbandes (Fis) bewusst. Im Konkurrenzkampf mit anderen Sportarten hofft man, mittels Superzeitlupen und kürzeren Finalläufen bei Technikrennen zu punkten. Inklusive Siegerehrung soll ein Skispektakel nicht länger als 110 Minuten dauern. "Länger will der Zuschauer nicht vorm Kastl bleiben", sagte Waldner.

Schröcksnadel irritiert

Nicht ganz komplikationslos verlief eine Silberne Hochzeit in Sölden. Der ÖSV und das Land Tirol feierten anlässlich 25-jähriger Zusammenarbeit unter dem Titel "Eine Superkombination". ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sorgte für leichte Irritationen, als er in Richtung Landeshauptmann Günther Platter anmerkte, dass die Partnerschaft für das Land Tirol auf Grund der langen Zusammenarbeit sehr preiswert wäre und andere mehr zahlen müssten. (Thomas Hirner aus Sölden, DER STANDARD, 27.10.2014)

Ergebnis: RTL von Sölden

  • Marcel Hirscher unschlagbar.
    foto: epa/bott

    Marcel Hirscher unschlagbar.

  • Die Sonne nimmt Kurs auf den Rettenbachferner.
    foto: standard\hirner

    Die Sonne nimmt Kurs auf den Rettenbachferner.

  • Geschafft!
    foto: standard\hirner

    Geschafft!

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