Eine Bank fällt durch

24. Oktober 2014, 17:58
195 Postings

Am Sonntag werden die Ergebnisse des Stresstests öffentlich. In Österreich gibt es einen Durchfaller: die Österreichische Volksbanken AG hat eine Kapitallücke von 850 Millionen.

Wien - Am Sonntag, Punkt zwölf Uhr (Winterzeit), ist es so weit: Zu diesem Zeitpunkt gibt die Europäische Zentralbank (EZB) die Ergebnisse des großen Bankenstresstests öffentlich bekannt. Die auf ihre Krisenstandfestigkeit geprüften Institute selbst haben die Ergebnisse bereits am Donnerstag erfahren - große Überraschungen dürfte es dabei nicht mehr gegeben haben.

In Österreich wird eine Bank durchfallen: Das Spitzeninstitut des Volksbankensektors, die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG). Der ÖVAG sollen - notabene: nur im Stressfall und nicht aktuell - rund 850 Mio. Euro an Eigenkapital fehlen, das hat der STANDARD aus Eigentümerkreisen erfahren. Die ÖVAG gehört seit der Notteilverstaatlichung Anfang 2012 zu 42 Prozent der Republik Österreich, die Mehrheit gehört den "kleinen" Sektorvolksbanken. Gerüchte, wonach zwei österreichische Institute den Test nicht bestanden hätten, stimmen nicht.

Volksbanken werden fusioniert

Der Weg, den die angeschlagene ÖVAG nehmen und auch an die EZB kommunizieren wird, ist bereits vorgezeichnet. Wie berichtet wurde Anfang Oktober im Sektor beschlossen, die ÖVAG zu teilen und eine Abbaueinheit (Bad Bank) zu schaffen. Bis Mitte 2015 sollen die Spitzeninstitutsaufgaben an eine regionale Volksbank transferiert werden (wahrscheinlich an die VB Wien Baden), der Rest der ÖVAG wird zur Abbaugesellschaft ohne Banklizenz. Sie unterliegt dann eben nicht mehr den strengen Eigenkapitalvorschriften für Banken.

Und: Die Volksbanken werden fusioniert, künftig soll es nur noch in jedem Bundesland eine geben. All das muss freilich auch von Aufsicht und EU-Kommission genehmigt werden. Da der EU aber an Strukturbereinigungen in der europäischen Bankenlandschaft sehr gelegen ist, könnte der Lösungsansatz für die Volksbanken in Brüssel auf Gefallen stoßen, wie es heißt. Insgesamt haben EZB und European Banking Authority (EBA) mehr als 130 Institute geprüft; in Österreich waren es neben der ÖVAG noch Erste Group, Raiffeisen Zentralbank, Raiffeisen Landesbank (RLB) NÖ Wien, RLB Oberösterreich und Bawag.

Nachprüfung 2015

Eigentlich gehören auch die in Wien ansässige Sberbank Europe (die Sberbank hat die Ostaktivitäten der ÖVAG gekauft) und die VTB Österreich zu den Prüflingen, weil sie grenzüberschreitend tätig sind - sie sind sozusagen zu spät unter die Kriterien gekommen. Sberbank und VTB werden den Bilanzcheck (Asset Quality Review; AQR) im kommenden Frühjahr nachmachen.

Im Stresstest wurde eine drastische Verschlechterung der Wirtschaftslage in den kommenden Jahren angenommen, auch ein Währungsverfall in Osteuropa. Während die EZB nur die Banken aus der Eurozone geprüft hat, über die sie die direkte Aufsicht übernehmen wird, hat die EBA auch Institute aus Schweden, Ungarn, Dänemark und Großbritannien unter die Lupe genommen. Die Institute müssen trotz der potenziellen Verluste in diesem Szenario mindestens eine Eigenkapitalquote von 5,5 Prozent aufweisen. Wer das nicht schafft, fliegt durch.

Für die Sitzenbleiber beginnt der Stress dann nach dem Test erst so richtig. Sie müssen binnen 14 Tagen einen Plan vorlegen, wie sie ihr Eigenkapital aufzufüllen oder zu entlasten gedenken. Dieser Plan braucht dann den Sanctus des Supervisory Teams der EZB und der nationalen Aufsichtsbehörden (in Österreich sind das Nationalbank und Finanzmarktaufsicht FMA). Akzeptierten die den Restrukturierungsplan nicht, tritt die Abwicklung in Kraft. Um die Kapitallücke zu schließen, haben die betroffenen Banken sechs bis neun Monate Zeit. (Renate Graber, András Szigetvari, DER STANDARD, 25.10.2014)

  • Mehr als 130 Banken wurden europaweit unter der Annahme einer Rezession geprüft. Der teilstaatlichen ÖVAG brach das ihre Flügel.
    foto: apa montage: beigelbeck

    Mehr als 130 Banken wurden europaweit unter der Annahme einer Rezession geprüft. Der teilstaatlichen ÖVAG brach das ihre Flügel.

Share if you care.