Westenthaler-Prozess: Was wurst ist und was zweckgewidmet

24. Oktober 2014, 17:33
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Am dritten Verhandlungstag ist Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger als Zeuge geladen

Wien - Einst fiel er mit dem knackigen Sager auf, er lasse "lieber einen Hund auf eine Knackwurst aufpassen als die ÖVP aufs Budget". Am Freitag wurde Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger (SPÖ) vor dem Straflandesgericht Wien selbst zu seiner Rolle als Aufpasser befragt: Als ehemaliger Bundesliga-Aufsichtsrat interessierte das Gericht seine Sicht der Dinge im Untreue- und Betrugsprozess gegen Ex-BZÖ-Obmann Peter Westenthaler und den mitangeklagten ehemaligen Co-Vorstand der Bundesliga, Thomas Kornhoff.

Der Vorwurf der Anklage: Die beiden hätten eine Fördermillion für den Fußballnachwuchs zweckwidrig zur Abdeckung einer Finanzschuld der Bundesliga verwendet. Die Vereine seien dadurch geschädigt worden. Beide Angeklagten bestreiten das, es gilt die Unschuldsvermutung.

Auch sportlich schwierig

Was genau Ende 2003, Anfang 2004 in Zusammenhang mit der Fördermillion und der Vergleichszahlung von 1,2 Millionen Euro geschehen ist, daran kann sich Edlinger nicht mehr so genau erinnern, aber: "Die Bundesliga war in einer nicht einfachen Situation." Richter Wolfgang Ettl: "Finanziell?" Edlinger: "Sportlich auch nicht." Ob die Förderzusage die "forcierte Nachwuchsarbeit" zum Ziel hatte oder frei verfügbar war, will für Edlinger immer schon nachrangig gewesen sein: "Für mich war das Wichtigste, dass das Problem gelöst ist."

Erhellender ist da die Aussage von Aufsichtsratskollegen Peter Vogl, der der Darstellung Westenthalers, er habe das Kontrollgremium umfassend informiert, deutlich widerspricht. Laut Vogl habe es immer geheißen, "dass die Förderung frei verwendet werden kann. Sonst hätte ich einem Vergleich über 1,2 Millionen Euro nie zugestimmt". Er habe also gefragt: "Wir bekommen die Förderung, um eine Schuld zu bezahlen?" Westenthaler habe bejaht. Von Jugendförderung sei nie die Rede gewesen, aber von einer "Förderung, die vom Finanzministerium Zug um Zug zurückfließt". Vogl folgert, die Vereine hätten "nichts bekommen" - was er mit einem Geschäftsbericht unterlegt, in dem die Million mit keinem Wort erwähnt wird.

Motivation für Zahlungsunwillige

Ebenfalls interessant: Republiksanwalt Wolfgang Peschorn (Finanzprokuratur) will die Jugendförderung als "eine Art Motivation" verstanden haben, um die "Zahlungsunwilligkeit" der Bundesliga aufzuweichen. Bundesliga-Anwalt Andreas Grundei will immer schon vor dem "Wahnsinn" gewarnt haben. Westenthalerselbst war an diesem dritten Verhandlungstag äußerst still. Die von der Anklage vermuteten "Scheinzahlungen" der Österreichischen Lotterien an die BZÖ-eigene Werbeagentur Orange waren an diesem Tag kein Thema. (Karin Riss, DER STANDARD, 25.10.2014)

  • Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger (re.) zeigte am dritten Prozesstag erstaunlich wenig Interesse für die näheren Umstände der Fördermillion an die Bundesliga. Dabei saß er einst im Aufsichtsrat. Hinten links: Mitangeklagter Thomas Kornhoff.
    foto: der standard/maria sterkl

    Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger (re.) zeigte am dritten Prozesstag erstaunlich wenig Interesse für die näheren Umstände der Fördermillion an die Bundesliga. Dabei saß er einst im Aufsichtsrat. Hinten links: Mitangeklagter Thomas Kornhoff.

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