"Kleine Schritte können gemacht werden"

Interview26. Oktober 2014, 12:05
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Frederik Coene von der EU-Delegation in Minsk spricht über die Zusammenarbeit mit den Behörden in Weißrussland und darüber, wie die EU die Zivilgesellschaft stärken will.

STANDARD: Mit welchem Ziel unterstützt die EU Projekte in Belarus?

Coene: Es geht vor allem um einen Know-how-Transfer von Europa nach Belarus. Wir fokussieren auf drei Sektoren: Umwelt, regionale und ökonomische Entwicklung und soziale Inklusion. Unser jährliches Budget umfasst rund 20 Millionen Euro. Wir widmen uns noch zwei Themen: der Zivilgesellschaft, deren Lage in dem Land prekär ist, und dem Implementieren möglicher Abkommen.

STANDARD: Projekte werden maximal drei Jahre finanziert. Ist das nachhaltig?

Coene: Nachhaltigkeit ist uns wichtig. Am liebsten sind uns Projekte, hinter denen eine langfristige Strategie steckt. Doch man sieht nicht immer drei Jahre voraus. Es gibt überall in der Welt Projekte, bei denen lokale Behörden zu NGOs sagen: Bitte baut diese Sache auf, wir übernehmen sie dann. Aber am Ende funktioniert es nicht. Das Problem hier ist: Internationale NGOs haben Fundraising, die NGOs von hier nicht. Woher sollen sie Geld nehmen? Es fehlt die philanthrope Mentalität.

STANDARD: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Behörden?

Coene: Auf einem technischen Level gehen die Dinge gut. Geht es um die Zivilgesellschaft, wird es schwieriger. Sie wird von den Behörden als Gefahr für die rechtsstaatliche Ordnung gesehen. Es gibt eine breite Palette an Organisationen, die an ihrer Stärkung arbeiten, die meisten liegen in der Mitte zweier Extreme: Da sind auf der einen Seite jene, die eine fast politische Agenda haben und auf der anderen Seite jene, die sagen, wenn man etwas erreichen will, muss man mit Behörden einen Modus Operandi finden. Für beides besteht Bedarf. Letzteres wird vielleicht mehr Effekt haben.

STANDARD: Für die Zivilgesellschaft sind Menschenrechte wesentlich ...

Coene: Die Zivilgesellschaft umfasst mehr. Aber ja, alles hier ist politisch. Es gibt auch Projekte zu Menschenrechtsthemen, eines zur Todesstrafe oder drei in Gefängnissen zum Beispiel. Kleine Schritte können gemacht werden. Wir wünschten, es wären Größere, sollten aber froh sein, dass es Kleine gibt. (INTERVIEW: Gudrun Springer, DER STANDARD, 25.10.2014)

Frederik Coene, gebürtiger Däne, ist Head of Operations und Erster Sekretär der EU-Delegation in Minsk.

  • "Ja, alles hier ist politisch", sagt EU-Delegierer Frederik Coene.
    foto: gudrun springer

    "Ja, alles hier ist politisch", sagt EU-Delegierer Frederik Coene.

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