Walking Dead: "Nichts ist beängstigender als hirnlose Kannibalen"

Interview26. Oktober 2014, 12:00
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In eineinhalb Stunden lässt sich aus jedem ein Untoter machen, sagt Gale Ann Hurd, Produzentin von "The Walking Dead"

STANDARD: Warum sind denn Zombies im Moment so beliebt?

Hurd: Wir leben in einer Zeit, in der Menschen fast überall in der Welt das Gefühl haben, sie leben in permanenter Gefahr. Die Unmittelbarkeit von Web, Social Media, 24-Stunden-News vermittelt das Bild permanenter Bedrohung zwischen Terroranschlägen und Naturkatastrophen, und das macht uns große Angst. Dass wir mit Zombies jemals zu tun haben, ist umgekehrt sehr, sehr unwahrscheinlich. Stattdessen identifizieren wir uns mit Charakteren – im Fall von "The Walking Dead" ist das eine kleine Gruppe von Menschen in einer feindliche Umwelt. Weil wir ganz genau wissen, was ihnen widerfährt, das kann uns niemals passieren.

STANDARD: Manchen ist der Zombie personifizierte Gier, das unstillbare Verlangen. Können Sie dieser Theorie etwas abgewinnen?

Hurd: Das Großartige an Zombies ist, dass wir so gut wie alles auf sie projizieren können. Zombies haben keine Persönlichkeit. Sie haben nur einen Modus, und dieser ist: Essen. Es gibt nichts Beängstigenderes als hirnlose Kannibalen.

STANDARD: Wie viele Menschen braucht es, um einen Menschen zum Untoten zu verwandeln?

Hurd: Das hängt davon ab, wie viele Menschen in der Szene sind. Wir teilen das in zwei Gruppen. Eine Person arbeitet mit jenen, die direkt in der Kamera sind. Die Maske dafür dauert eine bis eineinhalb Stunden, inklusive Kontaktlinsen, Zähne und so weiter. Dann gibt es die Gruppe, die nicht unmittelbar im Bild ist. Dafür reicht einfaches Make-Up, wir machen sie sehr grau, das dauert nicht mehr als 20 Minuten. Für gewöhnlich sind zwischen sechs und 16 Maskenbildner am Set.

STANDARD: Und die Kleidung? Gibt es ein Team an Kleider-Zerstörern?

Hurd: Ja, wir haben Leute zum Aufreißen der Kleider. Wir haben Stone-washed-Jeans. Die Walkers tragen alle grau, wir präparieren sie so, dass es aussieht als seien sie mit Schmutz und Blut verschmiert.

STANDARD: Wie entsteht das Skript: Gibt es erst das Buch und dann wird entschieden, was davon realisierbar ist?

Hurd: Vor dem Skript gibt es einen groben Entwurf, den wir gründlich durchdiskutieren. Daraus lässt sich schon ersehen, ob etwas sehr teuer ist. Wir besprechen, wie wir die Idee umsetzen können in den acht Tagen, die wir für eine Folge zur Verfügung haben. Die Premiere der neuen Staffel ist ein gutes Beispiel für eine sehr ambitionierte Folge. Wir haben dafür einen Extratag eingerechnet mit großen Szenen, Explosionen, brennenden Zombies, große Kampfszenen. Eine große Herausforderung.

STANDARD: Stichwort versteckte Botschaften. Ich erinnere mich an eine Szene in der ersten Staffel, da stand Dr. Jenner vor einer Digitaluhr. Für eine Sekunde wirkte es, als zeige die Uhr "Abyss" – Hölle, an – ein Film, den Sie produzierten. Meine Fantasie?

Hurd: Das war nicht beabsichtigt! Aber in der Folge war mein Freund Van Ling für Visual Effects zuständig, der schon bei "The Abyss" mitgearbeitet hat. Gut möglich, dass er das eingebaut hat, ich weiß nichts davon.

STANDARD: Haben Sie eine Lieblingsbotschaft?

Hurd: Die Messages sind Teil der Community, und die Leute lieben es, sie zu suchen. Wir möchten darüber nicht allzu viel reden.

STANDARD: Sie produzierten "Terminator", "Aliens", "The Abyss". Könnten Sie sich vorstellen, diese als Serien zu adaptieren?

Hurd: Wir haben die Rechte nicht mehr auf "Terminator". Aber ich weiß, dass Skydance Productions and Annapurna Pictures eine neue Serie planen. Aliens? Ich weiß nicht. Es gibt Budgetlimitierungen und Beschränkungen bei den Drehtagen. Das wäre die Herausforderung: Das Kinoformat in die epische Fernsehlänge umzusetzen und dabei das Budget nicht zu sprengen.

STANDARD: Und der umgekehrte Weg: Gibt es Pläne zu einem Kinofilm "The Walking Dead"?

Hurd: Könnte sein. Wir streben das aber nicht unmittelbar an. Es ist fordernd genug, diese exzellenten Geschichten zu erzählen. (Doris Priesching, DER STANDARD, 25./26.10.2014; Langfassung)

Gale Ann Hurd (59) produzierte Blockbuster wie "Terminator", "The Abyss", "Aliens", "Armageddon" und "Hulk". Die neue Staffel von "The Walking Dead" läuft derzeit montags auf Sky, im Free-TV startet die vierte Staffel am 27. Oktober.

  • "Kleine Gruppe von Menschen in einer feindlichen Umwelt" – und wie diese Menschen mit dieser feindlichen Umwelt umgehen: "The Walking Dead", Staffel 5.
    foto: amc

    "Kleine Gruppe von Menschen in einer feindlichen Umwelt" – und wie diese Menschen mit dieser feindlichen Umwelt umgehen: "The Walking Dead", Staffel 5.

  • Mit "The Walking Dead" landete AMC einen Serienhit.
    foto: amc

    Mit "The Walking Dead" landete AMC einen Serienhit.

  • Gale Ann Hurd produziert "The Walking Dead".
    foto: fox

    Gale Ann Hurd produziert "The Walking Dead".

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