Sechs Tote bei Anti-Terror-Einsatz in Tunesien

24. Oktober 2014, 16:18
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Fünf Frauen und ein Mann ums Leben gekommen - Ein Kind verletzt

Tunis - Zwei Tage vor der Parlamentswahl in Tunesien ist ein Polizeieinsatz gegen mutmaßliche Extremisten in der Vorstadt von Tunis blutig zu Ende gegangen. Wie das Innenministerium am Freitag mitteilte, wurden fünf Frauen und ein Mann getötet und mehrere Menschen verletzt, darunter zwei Kinder. Die Polizei hatte seit Donnerstag früh ein Haus im Vorort Oued Ellil belagert.

In dem Gebäude wurden "terroristische Elemente" vermutet. Am Freitag stürmten die Einsatzkräfte das Haus, wobei die Frauen den Ministeriumsangaben zufolge zuerst das Feuer eröffneten. Am Donnerstag war ein Polizist bei Schusswechseln mit den Verdächtigen getötet und ein weiterer verletzt worden.

Wiederholt Anschläge

Seit dem Sturz des früheren Machthabers Zine el-Abidine Ben Ali Anfang 2011 gab es wiederholt Anschläge radikaler Islamisten in dem nordafrikanischen Land. Im Vorfeld der Wahl am Sonntag gehen die tunesischen Sicherheitskräfte verstärkt gegen mutmaßliche Extremisten vor.

Der Urnengang gilt als wichtiger Test für das Land auf dem Weg zur Demokratie. Der arabische Frühling hatte 2011 mit dem Sturz Ben Alis in Tunesien seine Ausgang genommen.

Gut 5,2 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag aufgerufen, in einem der 12.000 Wahlbüros ihre Stimme abzugeben. Rund 70.000 Soldaten und Polizisten sichern die Wahlen ab.

Aus den ersten freien Wahlen im Oktober 2011 war die islamistische Ennahda als stärkste Kraft hervorgegangen. Nach einer langen Krise mit Unruhen übergab sie die Verantwortung an eine Übergangsregierung unabhängiger Experten. Auslöser der Massenproteste war damals die Ermordung von zwei Oppositionspolitikern mutmaßlich durch radikale Islamisten.

Diesmal muss die Ennahda mit starker Konkurrenz durch die weltlich ausgerichtete Allianz Nidaa Tounes rechnen, die manche Umfragen schon als Gewinnerin sehen. Da die Hälfte der Wähler unentschieden sein soll, könnte es aber auch zu Überraschungen kommen.

Bei unklarem Wahlausgang könnte sich die Regierungsbildung Monate hinziehen. Das offizielle Endergebnis soll innerhalb eines Monats verkündet werden, erste Prognosen werden für den Wahlabend erwartet.

Einige tunesische Medien gehen davon aus, dass vor dem Amtsantritt einer neuen Regierung noch die Präsidentenwahl am 23. November sowie die mögliche Stichwahl Ende Dezember abgewartet wird. Bis spätestens Februar soll das Kabinett arbeitsfähig sein. Die Legislaturperiode dauert fünf Jahre.

Gewählt wird in insgesamt 33 Wahlbezirken, sechs davon sind im Ausland. Landesweit wird über 1.300 Listen abgestimmt. Nur wenige Parteien sind mit ihren Listen in allen Bezirken vertreten. Im Vergleich zur Parlamentswahl 2011 gibt es etwa eine Million registrierte Wähler mehr. Viele haben sich allerdings nicht zum Votum angemeldet: Denn insgesamt wären knapp acht Millionen der elf Millionen Tunesier wahlberechtigt. (APA, 24.10.2014)

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