Junge Frauen im Netz besonders gefährdet

24. Oktober 2014, 13:25
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Jede vierte Frau zwischen 18 und 24 wurde im Netz verfolgt oder beschimpft - GamerGate als Ausdruck davon

Eine neue Studie des renommierten Pew Research Centers zeigt, dass Übergriffe im Netz extrem weit verbreitet sind. Besonders junge Erwachsene kommen oft mit Beleidigungen, Drohungen oder noch schlimmeren Formen von Gewalt in Berührung: 75 Prozent aller Nutzer unter 24 wurden bereits "Zeuge" einer Online-Belästigung, zwei Fünftel sehen sich selbst als Opfer eines ernsthaften Übergriffs.

Frauen eher Opfer von Stalking oder physischen Drohungen

Bei jungen Frauen steigert sich diese Zahl auf 25 Prozent. Dabei zeigt sich laut The Atlantic, dass ein berühmtes Bonmot der Schriftstellerin Margarete Atwood auch im sogenannten Cyberspace Gültigkeit hat: "Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie umbringen." Denn während männliche Nutzer vor allem Beleidigungen und Mobbing erfahren mussten, liegt der Anteil an noch angsteinflößerenden Vorfällen wie Stalking oder physischer Bedrohung bei Frauen um einiges höher.

Muster

Besonders in den vergangenen Monaten kam es dabei zu einer Reihe von Vorfällen, die gewisse Muster offenlegten: So wandelte sich die GamerGate-Bewegung, die wohl als idealistischer Protest gegen die Verhaberung von Videospielbranche und Games-Journalismus gedacht war, immer mehr zu einer antifeministischen, frauenfeindlichen Initiative. Robin Williams’ Tochter Zoe wurde nach dessen Suizid auf Twitter niedergemacht, auch Monika Lewinsky erntete bei ihrem Comeback überwiegend Häme und Gehässigkeit.

Gründe: Viele Theorien

Über die Gründe für den Ausbund an Hass und Hetze im Netz gibt es viele Theorien. So gilt als gesichert, dass das Fehlen eines physischen Gegenübers die Hemmschwelle im Netz sinkt. Anonymität ist eher dahingehend zu verstehen, dass man dem, den man beleidigt, nicht in die Augen sehen kann. Andere vermuten das Fehlen des Klarnamens als Grund, was mit Blick auf Facebook-Hetze allerdings zu bestreiten ist.

Hass, Spam und Pop-Ups

"Hass gehört zum Netz wie Spam und Pop-Ups", so The Atlantic, "im Unterschied zu den letzteren Ärgernissen ist Hass aber technisch nicht auszutricksen." In zahlreichen Ländern setzte deshalb in den vergangenen Monaten ein Diskurs über Maßnahmen gegen Online-Hetze ein. Auch in Österreich sind gesetzliche Verschärfung, etwa beim Tatbestand Cyber-Mobbing, geplant. Gesetze allein würden die Problematik aber nicht lösen, so Danielle Citron, die Recht an der University of Maryland lehrt.

Bedingungen verbessern

Sie hofft darauf, dass die Gesellschaft neue Konventionen für den Online-Umgang findet. Dass ein Turnaround möglich ist, steht außer Frage, so Citron: Sie verweist etwa auf die Arbeitsbedingungen für Frauen in den 1960er Jahren (Stichwort "Mad Men"), die sich bis heute signifikant verbessert hätten. (fsc, derStandard.at, 24.10.2014)

  • Junge Frauen werden überdurchschnittlich oft Opfer von Gewalt und Hass im Netz
    foto: reuters/dalder

    Junge Frauen werden überdurchschnittlich oft Opfer von Gewalt und Hass im Netz

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