Wider das keusche Leben

24. Oktober 2014, 18:22
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"La Princesa de Francia" des argentinischen Regisseurs Matías Piñeiro

Die Stücke William Shakespeares sind von eigensinnigen Frauengestalten bevölkert. Wie viel Macht ihnen in den immerhin vierhundert Jahre alten Texten eingeschrieben ist, machen Filme des argentinischen Regisseurs Matías Piñeiro deutlich. Mit La Princesa de Francia folgt – nach Rosalinda (2010) und Viola (2012) – nun der dritte den elisabethanischen Damen gewidmete Film.

Piñeiro steuert dabei keine klassischen Verfilmungen an; er überträgt lediglich Themen und Stimmungen in ganz gegenwärtige Lebenszusammenhänge, die in intimen Sequenzen immer auch dem Schauspielerberuf huldigen.

In Love’s Labour’s Lost (dt. Verlorene Liebesmüh) durchkreuzt die Königin von Aquitanien samt weiblichem Gefolge das sichtlich lockere Vorhaben des Königs von Navarra, zwecks Studien drei Jahre lang keusch zu leben. Aus der Komödie entwickelt Piñeiro einen neuen Plot, der die Beziehungskonstellationen in einer Theatergruppe im heutigen Buenos Aires nachzeichnet: Der Film zeigt Victor zwischen Ex-Freundin, Geliebter, bester Freundin und zukünftiger Freundin und überhaupt wie schnell Liebe aufkommen kann.

Shakespeare’sche Liebesmanöver werden unangestrengt in die Gegenwart übertragen: Fehladressierte Herzensbotschaften des Originals geraten auch in La Princesa de Francia auf Irrwege, etwa als amouröse Buchwidmungen, die Falschen in die Hände fallen.

Die Kamera tastet dabei Linien in Gesichtern ab oder – als Manifestation des in der Luft liegenden Begehrens – jene auf historischen Gemälden. Dabei sind die geschmeidigen Begegnungen der einander geneigten Schauspieler ständig von den Versen des alten Barden umschwebt: Sie sprechen aus beruflichen Gründen ein Verlorene Liebesmüh-Hörspiel ein. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 25.10.2014)

27. 10., Metro, 16.00; 30. 10., Stadtkino im Künstlerhaus, 13.30

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