Amazon verliert 15 Milliarden Dollar an Wert

24. Oktober 2014, 13:01
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Der Onlinehändler hat ein "hässliches Quartal" hinter sich, der Verlust ist kräftig gestiegen, die Anleger stoßen die Anteilsscheine ab

Seattle - Das Internetkaufhaus Amazon hat kurz vor dem Weihnachtsgeschäft keinen guten Lauf. Das US-Unternehmen verzehnfachte den Fehlbetrag im dritten Quartal auf 437 Millionen Dollar (345 Millionen Euro). Aktionäre befürchten zunehmend, dass sich der umtriebige Amazon-Chef Jeff Bezos mit dem Eindringen in die Smartphone-, Tablet-, Video- und Spielewelt verzettelt und letztlich übernimmt. Zumal diesmal auch Umsatz und Ausblick auf das wichtige Weihnachtsgeschäft hinter den Markterwartungen zurückblieben. Die Aktie stürzte im Frankfurter Handel um rund zehn Prozent ab. Es wurden mehr als 15 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet.

Hohe Investitionen

Amazon hatte schon in der Vergangenheit wegen hoher Investitionen immer wieder kleinere Verluste ausgewiesen. Die aggressive Expansion in die verschiedensten Geschäftszweige ließ diese zuletzt kräftig ansteigen. Mit den neuen Produkten will der Konzern etwa den iPhone-Hersteller Apple, den Internet-Riesen Google und das aufstrebende Video-Portal Netflix angreifen. Auch beim Angebot zur Auslagerung von Computerdiensten ins Internet - dem sogenannten Cloud Computing - mischt das Unternehmen aus Seattle kräftig mit. Viel Geld leitet Amazon darüber hinaus nach China, wo der ebenfalls expansionsfreudige Rivale Alibaba den Internethandel beherrscht.

Amazon argumentiert mit Dollarkurs

Amazon hat für die Bremsspuren in der Bilanz eine andere Erklärung und argumentiert mit den Folgen des gestiegenen Dollarkurses. Branchenkenner ließen das aber nicht gelten. "Das war ein hässliches Quartal", sagte Analyst Tob Plaza von der Key Private Bank. "Damit ist die Wachstumsstory fast vom Tisch." Amazon müsse nun Rendite abwerfen und dürfe die Geduld der Anleger nicht länger auf die Probe stellen.

Bezos verteidigt die radikale Expansion dagegen gebetsmühlenartig damit, dass die hohen Ausgaben zwar kurzfristig die Bilanz belasteten, sich langfristig aber rechnen würden. Solange die Umsätze stimmten und es keine hohen Verluste gab, blieben die Anteilseigner ruhig. Zuletzt wuchs allerdings die Nervosität. Als der Verlust im zweiten Quartal mit 126 Millionen Dollar doppelt so hoch ausfiel wie erwartet, stürzte die Aktie bereits um zehn Prozent ab. (Reuters/red, derStandard.at 24.10.2014)

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