Big-Brother-Awards für LG, Heinisch-Hosek, Facebook

25. Oktober 2014, 21:31
35 Postings

Auch die EU-Kommissare Siim Kallas und Neelie Kroes sowie ELGA empfingen die zweifelhafte Ehrung

Am Samstagabend wurden im Wiener Rabenhoftheater die diesjährigen Gewinner der Big-Brother-Awards bekanntgegeben. Ob sich die Preisträger über ihre Trophäe freuen, ist zweifelhaft, handelt es sich doch um einen Negativpreis, mit dem auf besonders heftige Verstöße gegen Datenschutz hingewiesen wird. Die heurigen Preisträger im Detail:

Politik: Ecall - Siim Kallas und Neelie Kroes

foto: epa/warnand
Verkehrskommissar Siim Kallas (links) und Digitalkommissarin Neelie Kroes (rechts) wurden geehrt, Energiekommissar Günther Oettinger entkam vorerst.

Im Bereich Politik ging der Preis an die ehemaligen Kommissare Siim Kallas und Neelie Kroes. Ihnen wird angekreidet, mit dem automatischen Notrufsystem Ecall der Überwachung Vorschub geleistet zu haben: Ab 2015 müssen Kfz-Hersteller einen Chip in Neuwagen einbauen, der den aktuellen Standort des Autos weitergeben kann.

Behörden: Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek

foto: apa/schlager
Der Bifie-Skandal und zweifelhafte Studien bescherten Bildungsministerin Heinisch-Hosek eine Auszeichnung.

Dass bei einem Mathematik-Standardtest Schüler nach der Anzahl der Bücher, die ihre Eltern besitzen, gefragt werden, erschien nicht nur der Big-Brother-Award-Jury dubios. Dazu gesellte sich das Bifie-Datenleck - Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) scheint den anderen Nominierten wenig Chancen gelassen zu haben.

Globaler Datenhunger: Facebook

foto: apa/epa/sharma
Facebook-Managerin Sheryl Sandberg entschuldigte sich halbherzig für ein Psycho-Experiment mit Nutzern.

Für große Aufregung sorgte die Nachricht, dass das soziale Netzwerk Facebook ohne Vorwarnung Psycho-Experimente mit seinen Mitgliedern durchführte. Die datenhungrige Plattform räumte anschließend ein, "schlecht kommuniziert" zu haben.

Business und Finanzen: Universität Salzburg

foto: dpa/hugelist
Die Universität Salzburg zwingt ihre Studenten zur Nutzung von Google-Diensten.

18.000 Studenten der Universität Salzburg müssen laut Jury Google-Anwendungen nutzen. Denn universitäre Tätigkeiten lassen sich nur über "Tools und Services" des Suchmaschinisten nutzen. Besonders heikel, da seit Frühjahr bekannt ist, dass Google entgegen eigenen Versprechungen diese Daten sehr wohl für Werbezwecke auswertet.

Kommunikation und Marketing: LG Electronics

foto: reuters/marcus
LGs smarte Fernseher werden zum Spion.

LG will wissen, was Nutzer mit LG-Geräten treiben. Deshalb werden Infos zu Dateien, die auf Smart TVs geöffnet werden, automatisch Richtung LG übertragen. Abstellen kann das der Nutzer nicht. So werden Fernseher laut Big-Brother-Awards zum "Spion im eigenen Heim".

Lebenslanges Ärgernis: ELGA

foto: apa/schneider
Neverending Story: Datenschutz bei ELGA.

Dass ELGA den Preis für das "Lebenslange Ärgernis" bekommt, bedarf für die Jury keiner Erklärung: Sie verweist lediglich auf dutzende Nominierungen und Preisträger vergangener Jahre, die in Zusammenhang mit der Elektronischen Gesundheitsakte stehen. Dass laut STANDARD-Recherchen eine NSA-nahe Firmentochter an ELGA beteiligt ist, ist da lediglich die Spitze des Eisbergs. (fsc, derStandard.at, 25.10.2014)

Share if you care.