Lob des Schmalfilms

24. Oktober 2014, 18:14
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Die Viennale feiert das 16mm-Format

Wenn sich im Metrokino der Vorhang öffnet, dann ertönt dazu ein Geräusch, das an das Rattern eines Filmprojektors erinnert - bevor man dann mit Filmbeginn in die unhörbare, aber unübersehbare Realität digitaler Kopien und digitaler Projektion zurückgeholt wird. Auch auf der Viennale laufen zum Beispiel im Hauptprogramm genau vier Spielfilme als 35mm-Kopien, und dabei handelt es sich um vier historische Filme. Deren jüngster ist Halbe Welt aus dem Jahr 1993 - die Vorführung ist seinem im August im Alter von nur 49 Jahren verstorbenen Regisseur Florian Flicker gewidmet.

Niemand lässt heute mehr analoge Kopien herstellen und zirkulieren, und so sind auch Filmfestivals wie die Viennale längst durchdigitalisiert. Bis - ja bis auf jene Sektion, die in diesem Jahr den analogen Film feiert: allerdings nicht das aufgeblasene 35mm, sondern dessen kleines Geschwist, das 16mm-Format, das bis heute im Avantgardefilm geschätzt wird und Verwendung findet, das aber einst auch das Filmemachen an sich revolutionierte. Mit seinen wendigeren Gerätschaften und günstigeren Herstellungskosten ermöglichte es unabhängiges Filmschaffen, wurde aber auch von Amateuren gern verwendet.

Das Viennale-Special heißt denn auch Revolutionen in 16mm. Zu einer anderen Geschichte des Schmalfilmformats, kuratiert von Haden Guest und Katja Wiederspahn. In zwölf Kapitel - und ein klingendes "Nachwort" aus Musikclip-Prototypen - gegliedert, ging es schon am Freitagnachmittag mit First Person Cinema und Tagebuchfilm im Metrokino los. Falls man dort in diesen Tagen den Projektor nicht hört, liegt es ausschließlich an der Dämmung der Vorführkabine. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 25.10.2014)

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