Radtour durchs Waldviertel: Dem Regen auf der Lauer bis zur Mauer

24. Oktober 2014, 16:13
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Eine Radtour durchs Waldviertel, die bei Schlechtwetter den Schutz von Städten bietet

"Werfen Sie einen Blick über die Mauer!" - unter diesem Motto haben sich elf Gemeinden zu den "Stadtmauerstädten Niederösterreichs" zusammengeschlossen. Eggenburg und Horn sind zwei besonders schöne Exemplare in diesem Verbund, die auf einer nicht anstrengenden Radtour miteinander verbunden werden können. Entlang der Strecke befindet sich zudem eine der höchsten Aussichtswarten Niederösterreichs, die einen fantastischen Ausblick über das Waldviertel bietet - falls das Wetter mitspielt. Falls nicht, sind eben die Städte, deren Mauern und Museen ein perfektes Alternativprogramm.

foto: bwag/commons
Die Stadtmauer von Eggenburg

In Eggenburg besteht noch heute rund um das Zentrum eine zwei Kilometer lange Stadtmauer mit zahlreichen Wehrtürmen. Deren Besonderheit: Sie kann von Ostern bis Oktober an zwei Stellen bestiegen und im Rahmen einer "Zinnenwanderung" begangen werden. Der erste Zugang befindet sich beim Kanzlerturm, der im Inneren ein kleines Museum beherbergt. Während dessen Öffnungszeiten dürfen Besucher auch den 15 Meter hohen Turm besteigen, der eine gute Aussicht auf die Kirche Sankt Stephan und darüber hinaus bietet. Der zweite Stadtmaueraufstieg befindet sich beim Klostertor im Osten der Stadt.

Ein erster Zwischenstopp lässt sich in Sigmundsherberg, einst wichtiger Bahnknotenpunkt, einplanen. Am westlichen Ende des Bahnhofs befindet ein von Liebhabern geführtes Eisenbahnmuseum. Im Freigelände stehen zahlreiche Eisenbahnfahrzeuge aus verschiedenen Epochen herum, die im ehemaligen Lokschuppen eingerichtete Ausstellung zeigt die unterschiedlichsten Exponate aus der Eisenbahnwelt.

Stiegenaufgang außen

Bei klarer Sicht ist die Papstwarte das lohnendste Ziel dieser Tour. Der 36 Meter hohe, aber nicht gerade formschöne Betonturm wurde im Jahre 1983 nach Plänen des Wiener Ingenieurs Robert Krapfenbauer errichtet, der auch an der Wiener Staatsoper sowie beim Wiener AKH Hand anlegte. Der achsensymmetrische sechseckige Turmschaft mit außenführendem Stiegenaufgang ist jedenfalls einzigartig in Österreich. Über 136 Stufen gelangt man zur ersten Plattform, 39 weitere Stufen sind es bis zur obersten Plattform in 31,5 Meter Höhe. Der Rundumblick über das westliche Waldviertel, das Kamptal, zum Stift Pernegg und auf den Horner Wald ist herrlich.

foto: brudnjak
Die Papstwarte: ungewöhnlicher Anblick, toller Ausblick

Im Zielort Horn können vier erhalten gebliebene Abschnitte der Stadtmauer einschließlich ihrer Wehrtürme besichtigt werden. Besonders eindrucksvoll sind der besteigbare Graselturm und der 16 Meter hohe halbrunde Westturm.

Den besten Ausblick in der Stadt bietet aber der 77 Meter lange Piaristensteig, eine Fußgängerbrücke über den Stadtgraben im Süden der Stadt. Östlich davon liegen das Piaristengebäude, die Piaristenkirche und das Schloss Horn, westlich davon der 60 Meter hohe Turm der Georgskirche sowie die südliche Stadtmauer mit einem alten Geschützturm.

Die Route im Überblick

Für die Strecke von Eggenburg nach Sigmundsherberg benützt man für nur drei Kilometer die L42 bis Engelsdorf und in weiterer Folge die wenig frequentierte L1200 nach Sigmundsherberg - 4 km. Weiter auf der Hauptstraße bis Rodingersdorf - 2 km. Kurz nach dem Marktplatz rechts zum Kreisverkehr abbiegen und die Straße Richtung Doberndorf benützen. Nach rund 2,5 Kilometer heißt es aufpassen, linker Hand biegt eine Nebenstraße zur Papstwarte ab - 1 km. Kurz nach der Warte führt die Landestraße, immer wunderbar bergab, bis nach Horn - 5 km. Die Rückfahrt kann nun entweder mit dem Zug erfolgen - auch via Sigmundsherberg - oder wem die Radtour noch zu kurz war, der radelt über den Wallfahrtsort Maria Dreieichen, Stockern und Klein Meiseldorf zurück nach Eggenburg. In diesem Fall sind weitere 14 Kilometer und 90 Höhenmeter zu bewältigen.

Als Alternative zu dieser Tour gibt es eine nette Variante sowohl für Wanderer als auch für Radfahrer: Von Eggenburg nach Horn führt querfeldein der "Urzeitweg", zu Plätzen, wo die ur- und frühgeschichtliche Entwicklung der Landschaft deutlich abzulesen ist; über Meiseldorf und Rodingersdorf ebenfalls an der Papstwarte vorbei. Der Einstieg ist in Eggenburg, weiter über die Horner Straße, Hochstraße, Engelsdorferweg - bis Horn rund 16 Kilometer. (Andreas Brudnjak, DER STANDARD, 25.10.2014)

karte: der standard

Anreise: öffentlich zum Beispiel von Wien mit dem Zug in einer Stunde nach Eggenburg und zurück von Horn in etwas mehr als einer Stunde.

Einkehr: zahlreiche Gasthöfe in Eggenburg, Sigmundsherberg und Horn

Dauer: Zwei Stunden sind mit dem Rad das Minimum, je nachdem wie ausgiebig die "Stadtmauerstädte" besichtigt werden, kann daraus leicht eine Tagestour werden.

Karte: Kosmos Wander-Bikekarte 203 - Waldviertel 1:50 000 (Doppelkarte)

Eisenbahnmuseum in Sigmundsherberg: von April bis Oktober: Dienstag, Donnerstag, Samstag, Sonntag und Feiertag von 9 bis 12 Uhr; Info-Tel: Handy: 0676/36 32 858 oder www.eisenbahnmuseum-waldviertel.at

Literatur: Andreas Brudnjak: "Aussichtswartenführer für Niederösterreich", Band 1 (Wald-, Wein und Mostviertel sowie Donauregion NÖ), Kral-Verlag, 16,90 €

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