Microsoft bleibt jenseits von Windows eine Baustelle

24. Oktober 2014, 08:46
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Stellenabbau und Nokia-Übernahme plagen den Softwareriesen

Der Softwarekonzern Microsoft plagt sich weiter mit einigen Sorgen. Insbesondere der Zukauf des Handygeschäfts von Nokia ist noch nicht verdaut, hinzu kommt ein teurer Abbau von 18.000 Stellen. Doch obwohl diese beiden Faktoren den Nettogewinn des Softwareriesen in seinem ersten Geschäftsquartal um 15 Prozent auf 4,5 Milliarden US-Dollar schrumpfen ließen, kommt Microsoft doch an vielen Stellen voran. Das zeigt sich auch im Ergebnis, das besser als befürchtet ausfiel. Im frühen nachbörslichen Handel am Donnerstag legte die Aktie in Reaktion auf den Quartalsausweis um 4,2 Prozent zu.

Je Aktie verdiente Microsoft 54 Cent. Analysten hatten Schlimmeres befürchtet. Sie hatten lediglich mit 50 Cent Gewinn je Aktie gerechnet. Der Umsatz legte deutlich auf 23,2 von 18,5 Milliarden Dollar zu. Das war zu einem großen Teil aber der Übernahme des Nokia-Geschäfts geschuldet, mit dem der Softwarekonzern den Anschluss an den weit davongeeilten Smartphone-Markt finden will.

Auch wenn Microsoft seit Jahren abseits des Kernprodukts wachsen will, Erfolg hat weiterhin vor allem das weiter wichtigste Produkt, das Betriebssystem Windows, das im kommenden Jahr 30 wird. Mit Windows verdiente Microsoft sein erstes richtiges Geld. Und auch heute ist es noch ein wichtiger Umsatzbringer. Im ersten Quartal legten die Lizenzeinnahmen aus Windows-Produkten für Geschäftskunden um 10 Prozent zu.

Insgesamt sind es ohnehin die Geschäftskunden, die dem Softwareriesen zu Umsatzwachstum verhelfen. Softwareverkäufe an Unternehmenskunden legten ebenfalls um zehn Prozent auf 12,3 Milliarden Dollar zu.

Microsoft profitiert davon, dass sich die PC-Verkäufe derzeit wieder besser entwickeln als erwartet. Einige Jahre hatten die Kunden vor allem nach Smartphones und Tablets gegriffen, die allesamt mit kostenlosen Betriebssystemen der Konkurrenz ausgestattet sind. Doch inzwischen sind die Computer in die Jahre gekommen, und beim Neukauf verdient meist auch Microsoft mit, denn die meisten PC laufen immer noch mit dem Betriebssystem Windows. Hinzu kommt die anziehende Konjunktur in den USA, die Unternehmenskunden mehr Mut für Investitionen gibt.

PC ist gestern - mobile Dienste und die Cloud sind entscheidend

Das Geschäftsmodell mit Betriebssystemen ist allerdings endlich, denn der PC-Markt verliert insgesamt an Bedeutung und alternative Betriebssysteme wachsen. Microsoft versucht deshalb, so viel Geld wie möglich aus Windows herauszuquetschen und gleichzeitig andere Bereiche auf- und auszubauen, wo sich in Zukunft etwas verdienen lässt - zum Beispiel mit Apps und Cloud-Diensten. Auch hier kommt Microsoft voran.

Weil mobile Dienste und die Cloud immer interessanter werden und das herkömmliche Desktop-Geschäft in den Hintergrund rückt, muss Microsoft beweisen, dass es auch dort erfolgreich sein kann. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Microsoft den Umsatz mit Cloud-Produkten bereits auf 2,8 Milliarden Dollar verdoppelt. Trotz des rasanten Wachstums machte das Geschäft aber nur drei Prozent der Gesamterlöse aus. Im ersten Geschäftsquartal stiegen die Cloud-Einnahmen mit Geschäftskunden nun sogar um 128 Prozent.

Bei Smartphones hat Microsoft trotz der Nokia-Übernahme noch einen weiten Weg vor sich. Einst Marktführer, hatte die finnische Nokia in den vergangenen Jahren im boomenden Smartphone-Markt gegenüber Rivalen wie Apple und Samsung kontinuierlich an Boden verloren. Zuletzt hatte sich das Geschäft aber etwas erholt - das war auch ein Grund, warum sich Microsoft für die Übernahme entschieden hatte. In seinem ersten Geschäftsquartal setzte der US-Konzern mit Smartphones und Handys 2,6 Milliarden Dollar um. Das war deutlich besser als Analysten von Wells Fargo mit 2,2 Milliarden Dollar erwartet hatten.

Microsoft braucht die Smartphones, um mit seiner Software am Markt noch eine Chance zu haben. Android und das Apple-Betriebssystem dominieren den Markt für mobile Betriebssysteme. Wenn es Microsoft gelingen sollte, mehr Tablets und Smartphones zu verkaufen, könnte der Konzern auch mit seinem eigenen Betriebssystem und den Apps wieder eine größere Rolle in diesem lukrativen Markt spielen. (Jürgen Hesse, wsj.de/derStandard.at, 24.10.2014)

  • Microsoft plagt sich mit vielen Baustellen, das Quartalsergebnis fiel jedoch besser als erwartet aus.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Microsoft plagt sich mit vielen Baustellen, das Quartalsergebnis fiel jedoch besser als erwartet aus.

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