ÖIAG: Doppelbödig

Kommentar23. Oktober 2014, 23:05
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So unabhängig, wie sich Oberrat Siegfried Wolf und Rudolf Kemler gerne geben, sind sie beileibe nicht

Wenigstens der Abgang von Rudolf Kemler verlief einigermaßen glimpflich. Das wurde zwar erwartet, ist aber dennoch keine Selbstverständlichkeit. Der sich selbst erneuernde Aufsichtsrat der ÖIAG hätte sich auch beharrlich gegen die Vertragsauflösung stemmen können. Zur Trennung vom Vorstand zwingen konnte Finanzminister Hans Jörg Schelling das Kontrollgremium paradoxerweise nicht. Auch die von ihm ins Spiel gebrachte außerordentliche Hauptversammlung verpflichtet den Aufsichtsrat nur, sich mit dem Anliegen des Eigentümers zu befassen. Müssen tut er gar nichts.

Doch die Realität sieht anders aus. So unabhängig, wie sich Oberrat Siegfried Wolf und Kemler gerne geben, sind sie beileibe nicht. So war etwa die Ablöse von OMV-Chef Gerhard Roiss mit der Regierung abgestimmt. Die engen Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft bringen mit sich, dass auch ein Herr Wolf Anliegen des Eigentümers beherzigt. Man trifft sich ja zweimal im Leben.

Wenn künftig die Regierung auch in der Öffentlichkeit wieder hinter der ÖIAG steht, birgt das zwar die Gefahr der Einflussnahme, aber auch die Chance klarer Verantwortungsstruktur. Jetzt konnte im Hintergrund mitgemischt werden, um dann vordergründig Dreck auf der Holding abzuladen. Mit der Neuerordnung der ÖIAG sollte dieses doppelbödige Spiel beendet werden. Die Sorgenkinder der Gesellschaft haben lange genug darunter gelitten. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 24.10.2014)

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