Ebola-Patient in New York durchlief Flughafenkontrolle

23. Oktober 2014, 21:49
241 Postings

Keine Symptome bei Einreise - Drei weitere Personen unter Quarantäne - Erster Ebola-Fall auch in Mali

New York/Bamako/Freetown - In den USA hat sich der Verdacht auf einen weiteren Ebola-Fall bestätigt. Ein Arzt, der sich jüngst um Ebola-Kranke in Westafrika gekümmert hatte, sei positiv auf das Virus getestet worden, teilte der Bürgermeister von New York, Bill de Blasio, am Donnerstag mit. Es ist demnach der erste Ebola-Fall in der Ostküsten-Metropole.

Der 33-jährige Craig Spencer hat nach Angaben der Behörden bei seiner Einreise am New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen eine strikte Gesundheitskontrolle durchlaufen. Bei seiner Ankunft am 17. Oktober seien bei ihm umfangreiche Maßnahmen ergriffen worden, erklärte die Gesundheitsbehörde CDC. Spencer zeigte keine Symptome. Das verschärfte Screening sei Standard bei Reisenden, die aus einem Ebola-gefährdeten Land kämen.

Er habe seit seiner Rückkehr aus Westafrika zu sehr wenigen Menschen Kontakt gehabt, sagte der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo. Mit seiner Verlobten sowie zwei Freunden sei er in engem Kontakt gestanden, alle drei seien unter Quarantäne gestellt worden. Keiner zeige Symptome. Eine der drei Personen sei ebenfalls im Krankenhaus, sagte New Yorks Gesundheitsbeauftragte Mary Travis Bassett. Für eine vierte Personen, einen Taxifahrer, bestehe kein Risiko.

Wohnung versiegelt

Der Mediziner war für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Guinea. Den Behörden zufolge kehrte er am 17. Oktober über den Internationalen Flughafen John F. Kennedy in die USA zurück. Er selbst hatte auf seiner Facebook-Seite angegeben, um den 18. September herum nach Guinea gereist zu sein. Am 16. Oktober sei er nach Brüssel geflogen. Die maximale Inkubationszeit beträgt 21 Tage. Infizierte können Ebola übertragen, wenn sie Symptome wie Fieber oder Erbrechen aufweisen.

Die Wohnung des Mannes im Stadtteil Harlem auf Manhattan sei versiegelt worden, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Der Rest des Hauses sei für die Bewohner aber frei zugänglich, drei Polizisten bewachten es. Spencer sei von einem Spezialteam in die Klinik begleitet worden.

Nervosität am Aktienmarkt

Der neue Fall verstärkte die Furcht vor einer Ausbreitung der Krankheit in den USA. De Blasio versuchte die Bevölkerung zu beruhigen. Doch an den Aktienmärkten machte sich Nervosität bemerkbar. Die Wall Street gab nach Bekanntwerden der Nachricht einen Teil ihrer Gewinne zum Handelsschluss wieder ab. Auch in Asien wurde der Aufwärtstrend gedämmt. "Die Ängste sind da, und sie sind fest in den Köpfen der Investoren", sagte ein Händler in Tokio.

Die schwerste Ebola-Epidemie in der Geschichte hat vor allem Liberia, Sierra Leone und Guinea in Westafrika erfasst. Die Seuche wurde aber auch nach Spanien und die USA eingeschleppt. In Dallas im Bundesstaat Texas steckten sich zwei Krankenschwestern bei der Behandlung eines Ebola-Patienten an. Er war der erste in den USA diagnostizierte Fall. Insgesamt gab es in den Vereinigten Staaten bisher neun an Ebola erkrankte Menschen.

Einreisebestimmungen verschärft

Die USA verschärften inzwischen ihre Einreisebestimmungen für Flugpassagiere aus den besonders stark betroffenen Ländern. Der Weltgesundheitsbehörde (WHO) zufolge haben sich bisher etwa 10.000 Menschen angesteckt, ungefähr die Hälfte der Patienten starb an der Infektion.

Am Donnerstag gab es zudem den ersten Fall von Ebola in Mali. Ein zweijähriges Mädchen, das kürzlich im Nachbarland Guinea unterwegs gewesen sei, sei positiv auf das Virus getestet worden, teilte Malis Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Es ist damit das sechste westafrikanische Land, in dem die Krankheit aufgetreten ist. Der Senegal und Nigeria wurden inzwischen wieder als Ebola-frei erklärt. (APA, 24.10.2014)

  • New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio (Mitte) versucht zu beruhigen.
    foto: reuters/munoz

    New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio (Mitte) versucht zu beruhigen.

  • Das Wohnhaus von Craig Spencer wird bewacht.
    foto: reuters/munoz

    Das Wohnhaus von Craig Spencer wird bewacht.

Share if you care.