Dichter Exokometenverkehr um einen jungen Stern

23. Oktober 2014, 18:19
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Erstaunlich dertailreiche Beobachtungen: 500 eisige Objekte in 63 Lichtjahren Entfernung erspäht

Paris/Wien - Als französische Astronomen 1986 den Stern Beta Pictoris im Sternbild Maler ins Visier nahmen, beobachteten sie etwas ausgesprochen Seltsames: Im Schein des 63 Lichtjahre entfernten Sterns erspähten sie unerwartete Bewegungen, fast so, als ob mehrere schattenhafte Objekte immer wieder auftauchten und verschwanden.

Aufmerksam wurden die Wissenschafter auf den jungen Stern, weil dort bereits zwei Jahre zuvor das Infrarotsignal einer Struktur entdeckt worden war, die sich schließlich als große Gas- und Staubscheibe entpuppte: Beta Pictoris befand sich offenbar im finalen Stadium zur Entwicklung eines eigenen Planetensystems - und die Forscher saßen gleichsam in der ersten Reihe.

Worum es sich bei dem nur temporär auftretenden lichtschluckenden Phänomen in der Materiescheibe handelte, blieb zunächst unklar. Keine der vorgeschlagenen Erklärungen passte zu den Daten - bis jemand die Idee äußerte, es könnte sich um die Gasfahnen von kleinen Objekten aus Eis handeln. Wohlgemerkt: Die These kam zu einer Zeit, da die erste sichere Bestätigung eines Exoplaneten noch Jahre in der Zukunft lag. Tatsächlich aber war genau das der Fall: Die Forscher hatten die ersten Kometen außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt.

Zwar weiß man heute, fast 30 Jahre später, dank moderner Beobachtungsgeräte eine ganze Menge mehr über das System, trotzdem ist Beta Pictoris immer noch für Überraschungen gut: Ein Astronomenteam rund um Flavien Kiefer vom Pariser Institut für Astrophysik hat nun mithilfe des HARPS-Instruments am La Silla-Observatorium der ESO in Chile insgesamt 493 einzelne Exokometen um Beta Pictoris gezählt - mehr als je zuvor in einem fremden System.

Erstaunlich viele Details

Gelungen ist diese Entdeckung, indem die Forscher zwischen 2003 und 2011 gesammelte Spektraldaten genauer analysierten. Die von den Exokometen ausgestoßenen Schweife aus Gas und Staub führten zu Fluktuationen in der Helligkeit des zentralen Sterns. Aus diesem feinen Flackern schlossen die Astronomen nicht nur auf die Anzahl, sondern auch auf die Form und die Orientierung der Exokometen-Umlaufbahnen.

Das Ergebnis zeichnet ein erstaunlich detailreiches Bild von der Exokometenschar rund um Beta Pictoris: Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe von "Nature" berichten, gehören die Objekte zwei unterschiedlichen Familien an: Zum einen älteren Exokometen, die eine große Vielfalt an Umlaufbahnen aufweisen und vergleichsweise wenig Gas und Staub ausstoßen. Dies deutet darauf hin, dass diese Exokometen ihre Materialvorräte durch oftmalige Vorbeiflüge an Beta Pictoris bereits großteils aufgebraucht haben.

Die zweite Exokometengruppe zeigt sich wesentlich aktiver. Ihre Mitglieder kreisen auf nahezu identischen Umlaufbahnen, was für die Astronomen ein Hinweis ist, dass sie offenbar beim erst vor kurzem erfolgten Zerbrechen eines größeren Objektes entstanden sind. Die Resultate liefern den Forschern einen guten Einblick in jene Mechanismen, die auch kurz nach der Geburt unseres Sonnensystems am Werk waren. (tberg, DER STANDARD, 24.10.2014)

  • Beta Pictoris ist etwa 20 Millionen Jahre alt. Ähnliche Bedingungen  herrschten auch in unserem Sonnensystem vor 4,5 Milliarden Jahren.
    eso/l. calcada

    Beta Pictoris ist etwa 20 Millionen Jahre alt. Ähnliche Bedingungen herrschten auch in unserem Sonnensystem vor 4,5 Milliarden Jahren.

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