Wien: Familie in Grundversorgung, aber unversorgt

23. Oktober 2014, 17:47
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Tschetschenen in der Wiener Zinnergasse warten weiter auf Taschengeld und E-Cards

Wien - Zehn Tage ist es her, dass die tschetschenische Familie D. (Name der Redaktion bekannt) nach neun Monaten im gelinderen Mittel der Schubhaft - aber ohne dass in dieser Zeit ein Abschiebeversuch stattgefunden hätte - in die reguläre Grundversorgung übernommen wurde. Dem verwaltungstechnischen Transfer war ein STANDARD-Bericht über die perspektivlose Lage Vater Ruslans (32), Mutter Elinas (26) sowie der Kinder Adam (8), Aidima (7), Ibrahim (6), Jusuf (3) und Aysa (1) in der Wiener Familienschubhaft Zinnergasse vorangegangen.

Somit sind die D.s, die mangels anderen Quartiers weiter in der Zinnergasse wohnen müssen, seit 14. Oktober wieder krankenversichert und haben Anrecht auf 40 Euro monatliches Taschengeld pro Person. So zumindest ist es der Grundversorgungs-Datenbank zu entnehmen - und wird sowohl im Innenministerium als auch bei dem in der Bundeshauptstadt zuständigen Fonds Soziales Wien bestätigt.

Bisher keine Verbesserung

Doch für die Betroffenen selbst hat dies bisher zu keinen spürbaren Verbesserungen geführt. Weder Taschengeld noch E-Card habe Familie D. erhalten, berichtet eine Unterstützerin.

Das dürfte an dem verwirrenden Umstand liegen, dass Familie D. laut Datenbank offiziell gar nicht in der Zinnergasse, sondern in dem Asylquartier des Innenministeriums in der Wiener Nußdorfer Straße 23 wohnt: einer Einrichtung, die für 150 Personen zugelassen, aber aufgrund der derzeitigen Asylquartierkrise derzeit mit 210 Menschen belegt ist.

In der Schubhaft Zinnergasse gebe es keine Grundversorgung, diese werde nur über die Nußdorfer Straße abgewickelt, kommentiert dies eine Expertin. In der Nußdorfer Straße verspricht man, bald einen Boten zu den D.s zu schicken, mit E-Cards und Geld. (Irene Brickner, DER STANDARD, 24.10.2014)

  • Familie D. bleibt in der Zinnergasse wohnen.
    foto: newald

    Familie D. bleibt in der Zinnergasse wohnen.

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