Zypern blockiert EU-Beitritt: Ankaras zweite Niederlage

Kommentar23. Oktober 2014, 17:49
44 Postings

Einsteigen, Gas geben und dann mal schauen, wo man hinkommt: Damit kassiert die Türkei nach der Kehrtwende in Syrien eine weitere außenpolitische Pleite

Das wird die Gegner eines Türkei-Beitritts in Europa freuen und den stets kochfertigen Zorn der Selbstgerechten in Ankara erst recht in Wallung bringen: Zypern blockiert auch noch die letzten Verhandlungskapitel, die der neue Erweiterungskommissar Johannes Hahn - zumindest theoretisch - mit dem Segen der EU-Mitgliedsländer für die Türkei einmal hätte öffnen können.

Das ist die absehbare Antwort der Regierung in Nikosia auf die ebenso unverständliche wie mit scheinheiligen Argumenten geführte Provokation der Türkei. Warum ausgerechnet jetzt intensive seismische Untersuchungen des Meeresbodens vor Zypern auf Gasreserven notwendig sind, während erstmals seit Jahren wieder Gespräche zwischen Griechen und Türken auf der Insel über ein Ende der Teilung laufen, kann die Regierung in Ankara nicht glaubwürdig begründen.

Es gehe um die Interessen der türkischen Zyprer, heißt es, die ebenso ein Recht auf die möglichen Energieressourcen haben. Das aber bestreitet niemand, auch nicht die Regierung in Nikosia, die von Ankara weiter nicht anerkannt wird, ebenso wenig wie die Ausschließliche Wirtschaftszone Zyperns. Auch die ist immerhin ein völkerrechtliches Übereinkommen. Einsteigen, Gas geben und dann mal schauen, wo man hinkommt: Mit dieser Devise steckt die Türkei nach der Kehrtwende in Syrien innerhalb einer Woche nun die zweite außenpolitische Niederlage ein. (Markus Bernath, DER STANDARD, 24.10.2014)

Share if you care.