Nie genug Plattformen für das heimische Kino

23. Oktober 2014, 17:43
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15 neue DVDs der nunmehr 250 Stück umfassenden Edition "Der österreichische Film" wurden präsentiert

Wien - Das Jahr 2014 kann man, zumindest was Wahrnehmung und Wertschätzung des heimischen Kinos auf internationaler Ebene betrifft, schon jetzt als erfolgreich bezeichnen. Kulturminister Josef Ostermayer (SP) vollzog am Mittwochabend im Metrokino noch einmal den entsprechenden Premierenreigen bei den A-Festivals nach.

Und auf Macondo, Sudabeh Mortezais Spielfilmdebüt bei der Berlinale, Jessica Hausners Amour fou (der gerade die Viennale eröffnet) in Cannes, oder in Venedig Ulrich Seidls Im Keller und Franz'/Fialas Ich seh ich seh könne mit etwas Glück ja sogar noch ein Oscar-Kandidat folgen. Als Wunschfilm für die nächste Staffel der DVD-Edition Der österreichische Film wollte Ostermayer dann aber am liebsten Ernst Schmidt jr.s Merowinger oder Die totale Familie aus dem Jahr 1982 empfehlen.

Die von der Agentur Hoanzl, dem Standard und dem Filmarchiv Austria gemeinsam herausgegebene Edition ist auf nunmehr 250 DVDs angewachsen - darauf finden sich insgesamt 349 Filme. Neben Michael Hanekes Amour und Ulrich Seidls Paradies: Liebe ist eine jüngere Generation mit Daniel Hoesls Soldate Jeanette oder Tizza Covis und Rainer Frimmels Der Glanz des Tages vertreten. Neben Populärem wie dem Mundl-Sequel Die Deppat'n und die Gspritzt'n oder Roland Düringers Viertelliterklasse wurde wieder Dokumentarisches (Meine keine Familie; Sickfuckpeople) und Historisches (Käthe Kratz' Mehrteiler Lebenslinien) eingebracht.

Wie eingangs Ostermayer bekannte sich auch Elisabeth Vitouch, Filmsprecherin der Wiener SPÖ, zum Erhalt der Rahmenbedingungen für diese Produktionslandschaft - zu denen etwa gut dotierte Fördereinrichtungen wie der Filmfonds Wien gehörten. Aber auch - so Ostermayer - die nunmehr gesetzlich festgeschriebene Höhe des ORF-Beitrags zum Film-Fernseh-Abkommen oder die Bestrebungen, den Film vom Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) auszunehmen.

Die DVD-Edition ist seit dem Vorjahr auch im Video-on-Demand-Bereich vertreten. Dabei handle es sich, so Produzent Helmut Grasser (Allegro-Film) um durchaus "nennenswerte Erträge", die man seit dem Start, zunächst mit der Auswertung älterer Produktionen bereits erzielen konnte. Auch Roland Teichmann vom Österreichischen Filminstitut wies auf die notwendige "Sekundärvermarktung" von Kinofilmen hin. Nach den Kinobesuchen seien inzwischen auch die DVD-Käufe rückläufig, es könne also "gar nicht genug Plattformen geben" - und möglicherweise würden sich daraus auch noch einmal "alternative Finanzierungsmodelle" für die Produktion ergeben.

Gerlinde Seitner vom Film Fonds Wien wünscht sich eine Steigerung des Anteils von Regisseurinnen, nicht nur in der Edition. In der neuen Staffel ist neben "Pionierin" Kratz, Covi und Barbara Gräftner (Echte Wiener 2) auch Mirjam Ungers Porträt von vier heimischen Musikerinnen, Oh Yeah, She Performs, vertreten. (irr, DER STANDARD, 24.10.2014)

  • Kulturminister Josef Ostermayer mit Team "Oh Yeah, She Performs": Nina Kusturica (v. li.), Mirjam Unger, Teresa Rotschopf, Clara Luzia.
    foto: robert newald

    Kulturminister Josef Ostermayer mit Team "Oh Yeah, She Performs": Nina Kusturica (v. li.), Mirjam Unger, Teresa Rotschopf, Clara Luzia.

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