Individuelle Musik, globale Musik

23. Oktober 2014, 17:25
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Viele Personalstile und doch universelles Ausdrucksmittel: Die "Tage der Neuen Musik" spielen mit der künstlerischen Identität

Wien – Die Globalisierung macht auch vor der Musik nicht halt. "Komponisten geben aber sehr individuelle Antworten auf diesen Prozess. Sie wollen sich wieder Gehör verschaffen und den Einheitsgeschmäckern entgegentreten", sagt Richard Graf, Gründer der Tage der Neuen Musik, die Freitag und Samstag zum fünften Mal über die Bühne gehen.

Der in London geborene und in Niederösterreich lebende Komponist Robert Jamieson Crow hat einen besonderen Blick auf das Individuum, das sich einerseits zwischen Traditionen, andererseits in globalen Zusammenhängen bewegt. Für das Konzert des Max Brand Ensembles am Freitagabend im Klosterneuburger Essl Museum steuert Crow ein Werk bei, das die Ausdrucksmittel verschiedener Kulturkreise verdichtet. In folksong II verarbeitet er lokale Poesie und Sprache – Gesangssolistin ist Agnes Heginger – mit Ursprung in Ungarn, Sizilien oder Kreta abseits der kommerziell aufbereiteten Weltmusik.

Sein Werk und das fünf weiterer Komponisten, zwei davon Frauen, sollen das Verhältnis zweier auf den ersten Blick gegensätzlicher Trends in der zeitgenössischen Musik ausloten: die verstärkte Individualisierung, das kompromisslose Hervortreten von Personalstilen auf der einen Seite und der weltweite Austausch im Zuge einer "musikalischen Globalisierung" auf der anderen Seite.

Wie kann man trotz der Zwänge zur Vereinheitlichung auf Eigenes beharren? Eine Frage, die im Zuge des Konzerts etwa mit Tonbandaufnahmen von den Straßen Istanbuls und dazupassenden Improvisation oder mit Klängen aus Live-Elektronik, Hackbrett oder Spielzeug-Pianos beantwortet werden soll. Graf und Christoph Cech sind die künstlerischen Leiter.

Laut Graf sehen junge Komponisten schweren Zeiten entgegen, was urheberrechtliche und soziale Rahmenbedingungen betrifft. Infoveranstaltungen am Samstag tragen dem Rechnung, bevor am Abend Young Composers in Concert ihre Bandbreite von experimentell bis hard ’n’ heavy zeigen. Die jüngste Beitragende ist zehn Jahre alt. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 24.10.2014)

  • Vokalistin Agnes Heginger zählt zu den Solistinnen bei den "Tagen der Neuen Musik" in Wien und NÖ.
    foto: maria frodl

    Vokalistin Agnes Heginger zählt zu den Solistinnen bei den "Tagen der Neuen Musik" in Wien und NÖ.

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