Zum lustigen Wahabiten

Kolumne23. Oktober 2014, 17:07
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Zwei ehemalige Minister, die mit ihrer zur Schau gestellten Blauäugigkeit die Öffentlichkeit in Atem halten

Gleichzeitig über zwei ehemalige Minister zu verfügen, die mit ihrer demonstrativ zur Schau gestellten Blauäugigkeit die Öffentlichkeit in Atem halten - das macht Österreich so leicht niemand nach. Die beiden mussten zwar erst aus dem Amt scheiden, um dem zahlenden Publikum vor Augen zu führen, wozu man fähig sein muss, um hierzulande in eine Regierung aufzurücken, auch wenn es sich in ihren Fällen um eher unbedeutende Ressorts handelte wie Finanzen und Justiz. Anders als die ministeriellen Sternschnuppen aus dem blauen Himmel, die ebenso rasch wie still verglühten und vergessen sind, blieben die beiden aktiv, der eine als Prozesshansl in eigener Sache, die andere in den Seitenblicken und auf einem interreligiösen Versorgungsjob als Lohn für Verdienste im Bawag-Prozess. Für solche als Ministerin wohl kaum.

Ein Ex-Finanzminister, der nicht imstande ist, ruhigsten Gewissens kassierte Gelder für nicht nachvollziehbare Leistungen ohne Beihilfe eines Steuerberaters möglichst unversteuert auf die Seite zu schaffen, sollte sich eher schämen, als sich auf seine totale Unkenntnis zu berufen. Um diese glaubhaft darzustellen, den Steuerberater zu klagen, den Prozess aber gleich unterbrechen zu wollen, weil er ihn zu teuer kommt, lässt Zweifel an seiner Befähigung in den Grundrechnungsarten aufkommen.

Zweifel anderer Natur hat Profil mit der Verleitung der ehemaligen Justizministerin zu einem Interview über das König-Abdullah-Dialog-Zentrum geweckt. Aus dem interkulturellen Dialog, den sie mit der Journalistin geführt hat, haben in der Öffentlichkeit vor allem Gesprächsfetzen Aufmerksamkeit erregt, die die Unregelmäßigkeit öffentlicher Hinrichtungen im Reich des Sponsors als humanen Fortschritt priesen, und die Abaya als praktisches und angenehmes Kleidungsstück empfahlen, wenn man gerade keinen Talar zur Hand hat.

Die Fokussierung auf diese beiden Äußerungen war insofern ungerecht, als auch deren überwiegender Rest eher nach Stammtischgeplauder im Wirtshaus "Zum lustigen Wahabiten" klang. "Saudi-Arabien mischt sich in unsere Arbeit überhaupt nicht ein", verriet die emeritierte Ministerin und karenzierte Richterin - wenn man von der Finanzierung absieht. Umso mehr mischt sie sich dort ein. "Ich war in Saudi-Arabien zu einem Abendessen bei einem Sohn des Königs eingeladen. Ein Abend war ein sogenannter Ladys Abend. Da habe ich nur Frauen getroffen. Ich war umgeben von gebildeten, hochintelligenten Frauen" - welch Überraschung! "Ich bin mir vorgekommen wie in Österreich bei einer Damenrunde." Und der IS? "Ich glaube, man könnte denen eins auswischen, wenn man einfach den Namen ändert ... Warum tut sich die Staatengemeinschaft nicht zusammen und sagt: Wir bezeichnen die jetzt anders?" Merk's Welt! So müsste die Rettung doch klappen.

Wer es hier in eine Regierung bringen kann, das überrascht seit dem Jahr 2000 kaum noch jemanden. Minister kommen und gehen, ist egal. Richter/-innen aber bleiben. Dass man mit Auffassungen wie diesen, und mögen sie nur von grenzenloser Naivität zeugen, über das Schicksal von Menschen entscheiden darf - das ist bedrückend. (Günter Traxler, DER STANDARD, 24.10.2014)

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