Notizbuch von Robert Scotts Expedition im antarktischen Eis entdeckt

23. Oktober 2014, 17:36
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Der britische Forscher George Murray Levick überlebte die Expedition knapp - nach über hundert Jahren wurden nun seine Aufzeichnungen gefunden

Wellington - Das Notizbuch eines Mitglieds der tragischen Antarktis-Expedition von Robert Scott ist nach rund einem Jahrhundert im Eis wiedergefunden worden. Wie der Leiter der neuseeländischen Antarktis-Stiftung, Nigel Watson, mitteilte, gab die Eisschmelze das Heft in der Nähe von Scotts Terra-Nova-Lager aus dem Jahr 1911 frei.

Es gehörte demnach dem britischen Arzt und Forscher George Murray Levick, der als Mitglied der sogenannten Nordgruppe die Expedition überlebt hatte. Scotts Team hatte sich nach der Ankunft im antarktischen Viktorialand geteilt: Eine Gruppe mit Scott an der Spitze erreichte im Jänner 1912 und damit einen Monat nach dem Norweger Roald Amundsen den Südpol, überlebte aber die Rückreise nicht. Levick und seine fünf Begleiter setzten zu Fuß die Erforschung der Küste von Viktorialand fort, strandeten auf dem Rückweg zum Basislager im Eis und überlebten unter unbeschreiblichen Umständen den Winter in einer Eishöhle.

Verschämter Naturforscher

Als Angehöriger der Royal Navy kämpfte Levick kämpfte nach seiner Rückkehr in beiden Weltkriegen und arbeitete später für den Geheimdienst der britischen Armee. Er starb 1956. Sein Notizbuch enthält nach Angaben der Stiftung wenig Neues. Er nennt darin vorwiegend Daten und Details zu Fotos, die er zu Beginn der Expedition aufgenommen hatte und die heute im Scott-Institut im britischen Cambridge aufbewahrt werden.

Vielen ist Levick aber auch durch seine erst vor zwei Jahren wiederentdeckte Studie über das Sexualverhalten von Adeliepinguinen bekannt. Darin berichtete Levick empört über das "verdorbene Verhalten" der Männchen, die weder vor gleichgeschlechtlichem Sex noch vor Paarungsversuchen mit toten Weibchen zurückschreckten. Levick war über seine Beobachtungen so geschockt, dass er sie auf Griechisch verfasste und nur einem engen Expertenkreis zeigte. (APA/red, derStandard.at, 23.10.2014)

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