"Null-Toleranz-Politik" nach Angriff in Jerusalem

23. Oktober 2014, 16:15
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Täter soll erst kürzlich aus dem Gefängnis freigekommen sein

Jerusalem/Ramallah - Nach dem tödlichen Angriff eines jungen Palästinensers auf Passanten in Jerusalem hat die Polizei in der Stadt ihre Präsenz verstärkt und eine "Null-Toleranz-Politik" gegenüber jeglicher Gewalt angekündigt. Jeder, der die öffentliche Ordnung störe, werde "mit allen gesetzlichen Mitteln verfolgt", erklärte Polizeisprecherin Luba Samri am Donnerstag.

Ein 21-jähriger Palästinenser aus dem besetzten Ostteil der Stadt war am Mittwochabend mit seinem Wagen in eine Gruppe von Passanten an einer Straßenbahnhaltestelle in Jerusalem gerast. Augenzeugen berichteten, der Mann sei "mit voller Geschwindigkeit" in die Menschenmenge gefahren. Ein drei Monate altes Mädchen starb später im Krankenhaus und wurde noch am Abend in Jerusalem beigesetzt. Mindestens sechs weitere Menschen wurden verletzt, einer schwebte in Lebensgefahr. Der Täter versuchte anschließend, zu Fuß zu fliehen. Dabei wurde er von der Polizei angeschossen. Er starb später an seinen Verletzungen.

Hamas-Mitglied

Nach Angaben seiner Familie war der Täter erst kürzlich aus dem Gefängnis freigekommen, wo er eine rund 18-monatige Haftstrafe absaß. Demnach ist der junge Mann ein Neffe von Muhi al-Din Sharif, einem Bombenbauer der radikalen Palästinenserbewegung Hamas, der 1998 in Ramallah im Westjordanland getötet worden war. Laut israelischer Regierung soll auch der Attentäter ein mutmaßliches Hamas-Mitglied gewesen sein.

Die israelische Polizei stufte den Angriff als "Terrorakt" ein. Einen ähnlichen Angriff hatte es Anfang August schon einmal in Jerusalem gegeben, als ein junger Palästinenser mit einem Bagger einen Menschen überfuhr und einen Bus rammte. Ein Mensch wurde getötet und fünf weitere verletzt. Auch dieser Täter wurde von der Polizei erschossen.

Nach dem Angriff vom Mittwoch gab es in verschiedenen Teilen Ost-Jerusalems Auseinandersetzungen. Dabei gerieten Jugendliche, die Steine warfen, mit Polizisten aneinander. Auch die Straßenbahn im Stadtteil Shuafat war Ziel von Steinwürfen. Ein Triebwagen wurde laut Polizei beschädigt, Menschen kamen aber nicht zu Schaden. Es gab mehrere Festnahmen. Am Donnerstag wurde ein Kindergarten israelischer Siedler im palästinensischen Stadtteil Ras al-Amud mit Steinen beworfen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ordnete nach dem Angriff eine verstärkte Polizeipräsenz an. Spezialeinheiten wurden an den Brennpunkten der Stadt postiert. In verschiedenen Stadtteilen Ost-Jerusalems gibt es bereits seit Monaten immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen. Israelischen Kommentatoren zufolge werden diese durch den Einzug jüdischer Siedler in die Gebiete befeuert.

Ein "strategischer Plan" der Polizei, bei dem auch Luftüberwachung und verdeckte Ermittler zum Einsatz kommen, soll die Gewalt eindämmen. Jerusalems Bürgermeister Nir Bakat begründete den Einsatz mit der "unerträglichen" Lage in Ost-Jerusalem. (APA, 23.10.2014)

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