Österreich bei Aufenthaltsbewilligungen unter dem EU-Schnitt

23. Oktober 2014, 15:05
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Von mehr als 2,3 Millionen in der EU genehmigten Anträgen durch Drittstaatenangehörige entfielen 34.000 auf Österreich. Die EU-weit meisten Antragsteller kamen aus der Ukraine, Indien und den USA; in Österreich aus Serbien, der Türkei und Bosnien-Herzegowina

Wien - 2,36 Millionen Bürger aus Staaten außerhalb der EU haben 2013 Aufenthaltstitel in Mitgliedsländern der Union erhalten. Laut den Zahlen von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, ergibt das einen Anstieg um 12,5 Prozent gegenüber 2012, verglichen mit 2008 ist die Zahl allerdings um sieben Prozent gesunken.

Österreich hat im Vorjahr 34.308 Aufenthaltsbewilligungen erteilt und liegt mit der Quote von vier vergebenen Genehmigungen je 1.000 Einwohner unter dem EU-Schnitt. Berechnet auf die Gesamtbevölkerung der EU ergeben die 2.357.583 verliehenen Aufenthaltstitel einen Wert von 4,7 je 1.000 Einwohner. Zum Vergleich: Die Nicht-EU-Staaten Norwegen und Schweiz erteilten 5,5 beziehungsweise 6,1 Aufenthaltstitel je 1.000 Einwohner.

Ukraine-Krise lässt sich an Zahlen ablesen

Die österreichische Liste führen Zuwanderer aus Serbien mit 4.120 genehmigten Aufenthaltstiteln (12 Prozent) an, dahinter folgen die Türkei mit 4.036 Anerkennungen (11,8 Prozent) und Bosnien und Herzegowina mit 3.603 (10,5 Prozent).

Die gesamteuropäische Wertung präsentiert sich deutlich anders. An den Zahlen lässt sich bereits die Ende des vergangenen Jahres aufkeimende Ukraine-Krise ablesen; mit 236.691 erteilten Genehmigungen wurde jeder zehnte erfolgreiche Aufenthaltsantrag von Bürgern der ehemaligen Sowjetrepublik gestellt. 171.769 von ihnen taten das in Polen.

An zweiter Stelle liegen EU-weit mit 200.844 Aufenthaltstiteln Staatsbürger Indiens. Eine ausgeprägte Mehrheit von 69,6 Prozent dieser Gruppe fand im Vereinigten Königreich einen neuen regulären Aufenthaltsort. Die drittstärkste Gruppe bilden die US-Amerikaner. 171.800 von ihnen wurde 2013 in einem EU-Land eine Genehmigung erteilt, auch hier ist das Vereinigte Königreich mit 105.718 Genehmigungen Hauptzielland.

Fast eine Dreiviertelmillion suchten im UK an

In absoluten Zahlen ist das Königreich Großbritannien und Nordirland mit 724.248 Aufenthaltstiteln am freigiebigsten, dahinter folgen Polen (273.886), Italien (243.954), Frankreich (212.098), Deutschland (199.925) und Spanien (196.242). Diese sechs Mitgliedsstaaten erteilten fast 80 Prozent der im Jahr 2013 in der EU genehmigten Aufenthaltstitel an Nicht-EU-Bürger.

Relativ zur Einwohnerzahl bewilligten Malta (24,1 je 1.000 Einwohner), Zypern (13,3 je 1.000 Einwohner), das Vereinigte Königreich (11,3 je 1.000 Einwohner) und Schweden (10,3 je 1.000 Einwohner) die meisten Aufenthaltsanträge.

Die absolut wenigsten Aufenthaltstitel erteilten Estland (2.496), Kroatien (3.320) und Luxemburg (4.169), am Ende der relativen Liste stehen Rumänien, (0,6 je 1.000 Einwohner) sowie Kroatien und die Slowakei (jeweils 0,8 je 1.000 Einwohner).

Familiäre Gründe am öftesten schlagend

In 28,5 Prozent der EU-weiten Fälle waren familiäre Gründe der Anlass für einen erfolgreichen Antrag, zu 22,7 Prozent war der Grund eine zugesicherte Erwerbstätigkeit und zu 19,7 Prozent eine im jeweiligen Zielland genehmigte Ausbildung. Der Rest (29,1 Prozent) verteilt sich laut Eurostat auf "andere Gründe", zum Beispiel auf "Rentner mit ausreichenden finanziellen Mitteln", einen internationalen Schutzstatus, Titel für unbegleitete Minderjährige oder Opfer von Menschenhandel sowie Diplomaten.

Die Erhebung bezieht sich auf Aufenthaltstitel, die einer Person zum ersten Mal ausgestellt wurde, oder wenn der Zeitraum seit der letzten Erteilung mehr als sechs Monate beträgt. Als Aufenthaltstitel definiert Eurostat "jegliche Art der Genehmigung, welche mindestens drei Monate gültig ist und von den Behörden der Mitgliedsstaaten für einen Nicht-EU-Bürger (Drittstaatenangehöriger) für einen legalen Aufenthalt auf dem nationalen Staatsgebiet ausgestellt wurde". (mcmt, derStandard.at, 23.10.2014)

  • Die EU-Außengrenze zwischen der Ukraine und Polen. Gemessen an den erteilten Aufenthaltstiteln war die Bevölkerungsbewegung von Ukrainern nach Polen im Vorjahr die EU-weit größte.
    foto: ap photo/alik keplicz

    Die EU-Außengrenze zwischen der Ukraine und Polen. Gemessen an den erteilten Aufenthaltstiteln war die Bevölkerungsbewegung von Ukrainern nach Polen im Vorjahr die EU-weit größte.

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