Finanzstudie: Die meisten Finanzstudien sind falsch

23. Oktober 2014, 14:50
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Eine neue Studie rüttelt an den Grundfesten der Finanzökonomie. Die Kritik: Statistische Methoden waren bislang viel zu lasch

"Vergesst alles, was ihr bisher gemacht habt": So ähnlich klingt die Botschaft eines neuen Arbeitspapiers des privaten National Bureau of Economic Research (NBER), die an Forscher im Bereich Finanzökonomie gerichtet ist. Dort beschäftigt man sich unter anderem damit, warum verschiedene Aktien oder Wertpapiere unterschiedlich hohe Erträge abwerfen. "Wir argumentieren, dass die meiste Forschung in dem Bereich wahrscheinlich falsch ist", schreiben die Ökonomen Campbell R. Harvey, Heqing Zhu und Yan Liu am Anfang des Papiers.

Der Grund: Die statistischen Methoden, die angewandt wurden, waren zu lasch. Wären die Ökonomen in der Vergangenheit strenger vorgegangen, hätten sie viele ihrer Thesen verwerfen müssen. Genau funktioniert das so: Ökonomen stellen eine Hypothese auf, die sie dann statistisch checken, indem sie sie anhand möglichst vieler Daten überprüfen.

Verwerfen oder nicht

Die Hypothese könnte etwa sein: Die Größe eines Unternehmens hat keinen Einfluss auf die erwarteten Erträge einer Aktie. Dann stellt man einen maximalen p-Wert auf: etwa 0,05. Die Ökonomen lassen einen möglichst großen Datensatz durchlaufen, der spuckt dann einen solchen p-Wert aus. Ist er unter 0,05, wird die Hypothese verworfen, so ist die gängige Praxis. Liegt der p-Wert bei 0,02, heißt das: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein gemessenes Ergebnis auch durch Zufall erklärt werden kann, liegt bei zwei Prozent. Je niedriger der p-Wert, desto sicherer können sich Forscher sein.

Absolute Sicherheit gibt es in einer Sozialwissenschaft aber nie. Ökonomen wollen in ihrer Arbeit keine Gesetzmäßigkeiten finden. Eine Hypothese wird nie endgültig angenommen, sie stellen nur fest, dass bestimmte Dinge mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zutreffen. Was die Studie der drei Ökonomen sagt: Ökonomen hätten ein kleineres Toleranzniveau verwenden sollen, einen niedrigeren p-Wert als Bedingung stellen müssen.

Interessant wird, wie Ökonomen auf die Studie reagieren. Die Autoren schreiben selbst, dass ihre Arbeit nur Dinge bestätige, über die andere schon länger gemutmaßt hätten. Auch in der Medizin habe es vor knapp zehn Jahren eine ähnliche Erkenntnis gegeben. Der Ökonom Tyler Cowen, der einen guten Ruf in der Branche genießt, hat die Studie in seinem Blog als "vielleicht keine Überraschung" ("perhaps not a surprise") kommentiert. (sat, derStandard.at, 23.10.2014)

  • Eine neue Studie dürfte vielen Ökonomen Kopfschmerzen bereiten.
    foto: reuters/shino

    Eine neue Studie dürfte vielen Ökonomen Kopfschmerzen bereiten.

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