Über den Alpenpass zur Kunst

22. Oktober 2014, 17:43
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Die kleine Gemeinde St. Christoph am Arlberg, kaum mehr als vier Familien zählend, bekommt eine eigene Kunsthalle. Eine Nadel von Künstler Hans Schabus markiert den neuen Kulturschauplatz

Wien/St. Christoph - "Was Gott durch einen Berg getrennt hat, soll der Mensch nicht durch einen Tunnel verbinden." Das kann man noch immer - und immer wieder - vor oder auch hinter dem Arlberg hören, sobald man auf das jeweils andere Bundesland jenseits des großen Passes zu sprechen kommt. Für die Leute "am Arlberg" - Tiroler wie Vorarlberger und die (Wintersport-)Touristen - ist das alles aber nicht wirklich tragisch, schließlich fährt man nicht über den Berg, sondern bleibt einfach gleich oben.

Und auf luftiger Höhe kommen einem offenbar die tollsten Ideen: Hotelier Florian Werner (Arlberg Hospiz) wird in St. Christoph nicht weit von der Passhöhe entfernt eine Kunsthalle für Gegenwartskunst und Konzerte bauen: Die Baukosten belaufen sich auf 26 Millionen Euro, eröffnet werden soll im Sommer 2016 - ein Soft Opening ist bereits für den Herbst 2015 geplant.

Arlberg 1800 heißt das ambitionierte Kulturprojekt. Einzig der Name ist, wenn man streng ist, ein klitzeklein wenig gemogelt. Denn eigentlich liegt die winzige Gemeinde auf nur 1765, der Pass selbst auf 1793 Metern Seehöhe. Aber 1800 klingt ebenso gut wie "die höchste Kunsthalle der Alpen". Und das stimmt. Die letzte Ausstellung der 1995 eröffneten "Kunsthalle Zugspitzgipfel" fand 2002 statt, heute wird die Fläche unter anderem gastronomisch genutzt.

Nur in Hochgurgl am Timmelsjoch gibt es Konkurrenz, weiß der Bauherr. Allerdings entsteht dort ein Motorrad-, kein Kunstmuseum - und dies auch nicht als eigenständiger Bau, sondern als Teil eines multifunktionalen Gebäudes. "Der, der höher liegt, wird sich schon melden", scherzt Florian Werner, der auch die ganze Geschichte bis zum ersten Spatenstich 2013 flott zu erzählen weiß.

Ein Bild sollte es sein

Schuld sei die Schwester, die 2006 geheiratet hat und für die man nach einem besonderen Geschenk suchte. Schließlich beschloss man, ihr etwas zu malen. Von da an mauserte sich der Hotelier raschen Schrittes zum malerischen Autodidakten - einige seiner geschütteten "Nitsch-Bilder" hängen in der Garage - und Sammler. Ende 2008 startete das Artist-in-Residence-Programm, denn inzwischen überlässt er das Malen den anderen. 2009 eröffnete die Hospiz Galerie in Bregenz. Und bald war er da, der Traum vom eigenen Museum.

Nun soll sich dieser, nach rund 40 Einzel- und Gruppenausstellungen und etwa 100 Residencies, erfüllen: Zwei Drittel des Neubaus, als erster musealer Bau des kleinen Absamer Architekturbüros Jürgen Kitzmüller realisiert, werden sich unter der Erde befinden. Insgesamt 1500 Quadratmeter stehen zur Verfügung: 250 davon entfallen auf die Konzerthalle (unter anderem Jazz, Klassik und Zeitgenössisches), über mehr als 600 Quadratmeter verfügt die Ausstellungshalle, wo künftig halbjährlich das Programm (kuratiert von section.a) wechseln soll. Bis dahin intervenieren Künstler, diesen Winter die Klasse von Brigitte Kowanz, im Hotel, das auch der Kollektion viel Platz bietet. "Ein Student wollte einen Raum fluten", erzählt Werner schmunzelnd. Diese Idee fand man nicht so gut.

Trotz großer unterirdischer Dimensionen ist für Sichtbarkeit gesorgt: Künstler Hans Schabus breitet den Mantel des Ortsheiligen Christophorus in Form einer roten Fläche über den Platz. Weitere Attribute wie Wanderstab und Weltkugel transformiert er in eine Stecknadel, die diesen Ort - nicht vor und nicht hinter, sondern auf dem Arlberg - markiert. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 23.10.2014)

  • Zwei Millionen Übernachtungen zählt die Tourismusregion am Arlberg pro Jahr. Die Kunsthalle Arlberg 1800 könnte Wachstum bescheren.
    foto: arlberg1800, rendering: büro kitzmüller

    Zwei Millionen Übernachtungen zählt die Tourismusregion am Arlberg pro Jahr. Die Kunsthalle Arlberg 1800 könnte Wachstum bescheren.

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