Versuch, Österreichs Verbandsranking im Sport zu verstehen

22. Oktober 2014, 17:16
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Eine Erläuterung im Detail am Beispiel von Segeln, Bob und Skeleton

Wien - Jetzt geht's wirklich ins Detail. Vielleicht lässt sich das von der Bundes-Sportkonferenz (BSK) erstellte Ranking 60 heimischer Sportverbände verstehen, wenn man die eine oder andere Sportart genauer unter die Lupe nimmt. Der Handballbund (ÖHB) wird ausgeklammert, sein 37. Platz bleibt verwunderlich. Seitens der BSK wird dieser Platz damit erklärt, dass im Handball keine offizielle Weltrangliste existiert. Also fiel der ÖHB um dieses Kriterium ersatzlos um. Hätte die BSK die inoffizielle Rangliste herangezogen, so wäre Handball an 15. statt an 37. Stelle gelandet.

So seien es der Segelverband (OeSV) sowie der Bob- und Skeletonverband (ÖBSV), sie landeten an achter und neunter Stelle, lukrieren 228.700 bzw. 205.300 Euro aus dem vier Millionen schweren Topf. Die Segler, Österreichs erfolgreichste Sommersportler seit Olympiaden, liegen um winzige 0,13 Ranking-Punkte voran. Doch wie kam es dazu?

Erfolgspunkte mal Faktor Sportart

Bewertet wurden im Segeln die Jahre 2012 und 2013, bei Bob/Skeleton die Saisonen 2012/13 und 2013/14. Die Ranking-Punkte sind Ergebnis einer Multiplikation von "Erfolgspunkten" mit einem "Faktor Sportart". Erfolgspunkte ergeben sich durch internationale Resultate in der Elite und im Nachwuchs, wobei ein Nachwuchsergebnis mit 75 Prozent eines Eliteergebnisses gewertet wird.

Bob/Skeleton verbuchte einen Elite-EM-Titel und vier weitere Top-zehn-Plätze (1 bei Olympia, 3 EM), macht 22,22 Erfolgspunkte. Schwerer ins Gewicht fallen zwei Junioren-WM-Stockerlplätze mit neun weiteren Top-zehn-Plätzen, ergibt 57,14 und, in gerundeter Addition, 79,37 Punkte. Das Glück des ÖBSV ist also eher die hohe Bewertung der Nachwuchsresultate denn die Tatsache, dass ÖBSV-Präsidentin Astrid Stadler auch der BSK vorsteht.

Die Segler waren bei Olympia zweimal Top 10, fuhren einen EM-Stockerlplatz und drei weitere Top-zehn-Resultate ein, macht 26,98 Punkte. Im Nachwuchs gab es einen WM- und einen EM-Stockerlplatz sowie drei weitere EM-Top-zehn-Resultate. Die 23,21 Punkte dafür werden mit den Elitepunkten addiert, ergibt gerundet 50,20 Punkte.

Sieben Fragen

Demgemäß läge Segeln weit zurück, wäre da nicht der Multiplikator. Antworten auf sieben Fragen ergeben den "Faktor Sportart". Ist sie olympisch? Ja/ja. War Österreich zuletzt olympisch vertreten? Ja/ja. Hat Österreich zuletzt ein Großevent veranstaltet? Ja/ja. Erst bei der Anzahl der Länder im Weltverband (64 zu 138) und bei der letzten WM (32 zu 86), bei der Anzahl heimischer Vereine (14. zu 91) sowie bei - nur via ORF 1 und ORF 2 gemessenen - Medienpräsenz (0 zu 5) fällt Bob/Skeleton zurück. So kommt Segeln auf den Faktor 0,57, Bob/Skeleton auf den Faktor 0,36. Die Multiplikationen ergeben 28,85 (Segler) und 28,72 Punkte (Bob/Skeleton).

So weit, so verständlich. So weit, so gut? Die Aufregung vieler Funktionäre, die "Äpfel, Birnen, Zwetschken und Bananen" verglichen sehen, bleibt. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 23.10.2014)

  • Nico Delle-Karth und Niko Resch segelten im 49er in London 2012 auf Rang vier. Davon zehrt jetzt auch der Segelverband.
    foto: apa/epa/hoslet

    Nico Delle-Karth und Niko Resch segelten im 49er in London 2012 auf Rang vier. Davon zehrt jetzt auch der Segelverband.

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