Sei ein guter Panda, werde ein guter chinesischer Tourist

23. Oktober 2014, 05:30
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Mit Fernsehspots wollte das chinesische Staats-TV die Bewohner der Volksrepublik zu angenehmen Touristen erziehen. Die Öffentlichkeit goutierte das nicht - die Spots mussten abgesetzt werden

So hat die Welt Chinas Pandas noch nie gesehen. Sie wirken in keiner Weise niedlich und auch nicht, wie man oft hört: "So süß!". Die schwarz-weißen Rüpel kommen ihren Landsleuten als Zweibeiner aufrecht ins Haus und führen sich dabei wie Strolche auf.

In TV-Spots, die in Australien von der DBB-Werbeagentur im Auftrag des chinesischen Staatsfernsehens CCTV gedreht wurden, spielen als Pandas verkleidete Schauspieler negative Hauptrollen. Einer der Riesenbären müllt im Park, ein anderer fläzt sich längs auf der Parkbank so dreist hin, dass ihn eine nette alte Dame anstupsen muss, um sich setzen zu können. Besonders abstoßend wirkt ein Panda-Männchen, das sich aufrecht an einer Brückenwand in aller Öffentlichkeit erleichtert. Da möchte man laut dazwischenrufen: So verhalten sich doch nur Menschen! Tatsächlich sind die vom Pekinger Staatssender auch gemeint. Aber eine ganz besondere Spezies darunter: Chinas Touristen.

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Die Benimm-Spots wurden in Australien gedreht.

Pinkelszene entfernt

Der Einminuten-Werbespot zur Erziehung der neuen Globetrotter aus dem Reich der Mitte lief auf gleich fünf Kanälen des CCTV. Er wurde zwei Tage vor Beginn der traditionellen "Goldenen Urlaubswoche" zum Nationalfeiertag 1. Oktober gezeigt, als sich Millionen auf ihre touristische Völkerwanderung in alle Welt vorbereiteten. 2013 fielen allein in Australien 685.000 Vergnügungsreisende aus der Volksrepublik ein. Das war für das Staatsfernsehen Grund genug, ihre neue "Benimm dich zivilisiert"-Kampagne diesmal in Australien spielen zu lassen. Das offizielle Motto: "Sei ein guter Panda, sei ein guter Tourist."

Obwohl das Fernsehen die Pinkelszene herausschnitt, die nur im "Directors Cut" der Werbeagentur online lief, sorgten die Pandafilme für wütende Zwischenrufe, die bis heute anhalten. Die Zeitung Nanfang verriss am Mittwoch in einem zornigen Kommentar die schwachsinnige Idee, den Panda, Chinas Staatsschatz, als Beispiel für unzivilisierte Menschen zu nehmen. Das sehen einige Mikroblogger anders: "Mehr davon. China ist voll solcher Pandas."

Spot musste abgesetzt werden

Das Fernsehen musste den Spot absetzen, als der drohte, den Nationalstolz zu provozieren. Die Agentur verteidigte ihn: "Mit diesen Bildern wollte CCTV chinesischen Touristen nur bewusst machen: Vergesst beim Reisen nicht - alle Welt sieht euch zu."

Das Thema gewinnt Staatsbedeutung. Selbst den vielreisenden Präsidenten und Parteichef Xi Jinping brachte es sprichwörtlich auf die Palme. Beim Besuch der Malediven im vergangenen September ermahnte er seine Landsleute. "Unsere Chinesen machen 100 Millionen Reisen pro Jahr. Dank steigenden Lebensstandards fahren sie überall hin. Ihre Reiseziele verbreitern sich so rasch, wie wenn man Tinte ausschüttet: Jetzt sind es die Malediven. 400.000 Reisen werden 2014 allein hierher führen. Unsere Touristen sollten sich zivilisiert benehmen, keine Wasserflaschen wegwerfen, keine Korallen abbrechen und weniger Fastfood-Nudeln essen, sondern lieber die lokalen Meeresfrüchte." (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 23.10.2014)

  • Chinesische Touristen sollen im Ausland künftig nur noch durch ihr gutes Benehmen auffallen.
    foto: epa/khaled elfiqi

    Chinesische Touristen sollen im Ausland künftig nur noch durch ihr gutes Benehmen auffallen.

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