Kanadas Premier Harper sagt Terrorismus den Kampf an

Video23. Oktober 2014, 13:15
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Anschlag in Ottawa ist "Angriff auf Werte des Landes" - Hintergründe weiter unklar

Ottawa/Toronto - Nach dem Anschlag auf das Parlament in Ottawa hat Ministerpräsident Stephen Harper ein härteres Vorgehen Kanadas gegen Terrororganisationen auch im Ausland angekündigt. Kanada werde sich nicht einschüchtern lassen, sagte Harper in einer Fernsehansprache am Mittwochabend. Die genauen Hintergründe der Tat waren auch am Donnerstag noch unklar.

Soldat und Angreifer tot

In der kanadischen Hauptstadt hatte ein Attentäter einen Soldaten der Ehrenwache am Nationalen Kriegsdenkmal erschossen. Danach drang ein bewaffneter Mann in das Parlamentsgebäude ein und lieferte sich wenige Meter von Harper entfernt einen heftigen Schusswechsel mit Sicherheitskräften. Der Angreifer wurde erschossen. Zunächst blieb unklar, ob es sich um einen Einzeltäter handelte oder ob er Komplizen hatte. Erste Erkenntnisse deuteten auf Verbindungen des Mannes zum Islamismus hin.

Harper: Kanada wird sich nicht einschüchtern lassen

Harper erklärte, Anschläge auf kanadische Einrichtungen seien auch "Angriffe auf unser Land, auf unsere Werte, auf unsere Gesellschaft, auf uns Kanadier als freies und demokratisches Volk, das Menschenwürde für alle verkörpert". Doch Kanada werde sich niemals einschüchtern lassen. Es werde noch entschlossener handeln, um Gefahren für die Bürger abzuwehren und die Sicherheit im Land zu gewährleisten. Zugleich werde Kanada gemeinsam mit seinen Verbündeten in der Welt noch entschiedener gegen jene terroristischen Organisationen kämpfen, die Menschen radikalisierten, damit sie die Gewalt auch an Kanadas Küsten trügen.

Täter stammt aus Provinz Quebec

Aus US-Regierungskreisen verlautete, tatverdächtig sei ein zum Islam konvertierter Mann. Das sei den US-Behörden mitgeteilt worden. Mit den Ermittlungen vertraute Insider in Kanada sagten, im Zentrum der Untersuchungen stehe ein Mann aus der Provinz Quebec. Aus Gerichtsdokumenten geht hervor, dass er kürzlich wegen Raubes in Vancouver sowie wegen mehrfacher Drogendelikte in Montreal vor Gericht stand. Der kanadische Geheimdienst CSIS warnt seit Jahren davor, dass sich junge Menschen radikalisieren. Nach seinen Erkenntnissen haben sich mehr als 50 Kanadier der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) oder anderen extremistischen Gruppen im Nahen Osten angeschlossen.

Laut einem Medienbericht soll der Attentäter geistig verwirrt gewesen sein. "Ich denke, er war geisteskrank", zitierte die kanadische Zeitung "The Globe and Mail" einen Bekannten des Täters. Er sei nicht extremistisch gewesen, habe aber oft davon gesprochen, vom Teufel verfolgt zu werden. Er habe auch vor etwa sechs Wochen von Plänen erzählt, nach Libyen zu reisen. Dort sei er schon früher für eine längere Zeit gewesen.

Anschlag am Montag

Erst am Montag hatte ein 25-jähriger Konvertit in der Provinz Quebec zwei Soldaten mit seinem Auto angefahren und einen von ihnen getötet. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen. Ob es eine Verbindung zwischen den Taten gibt, war zunächst unklar. Am Dienstag erhöhte die Regierung die Terrorwarnstufe und begründete das mit Beobachtungen von extremistischen Gruppen wie der IS und Al-Kaida. Konkrete Hinweise auf einen Anschlag soll es aber nicht gegeben haben.

Täter von Polizisten erschossen

Die ersten Schüsse wurden am Mittwoch kurz vor 10 Uhr Ortszeit an dem Denkmal in der Innenstadt von Ottawa abgefeuert. Dabei wurde ein Soldat getötet. Zeugen zufolge griff der Täter wenige Minuten später das Parlament an. Danach drang er in das Parlamentsgebäude ein und wurde von Polizisten verfolgt. Demnach rannte er zunächst an dem Raum vorbei, in dem sich der Regierungschef aufhielt, und wurde vor der Parlamentsbibliothek schließlich erschossen. Zeugen hörten etliche Schüsse. "Harper hat mit Leuten aus seiner Fraktion gesprochen, als es plötzlich einen lauten Knall gab, gefolgt von einen Ra-ta-ta-ta an Schüssen", sagte das Kabinettsmitglied Tony Clement. "Es ist genau vor unserer Tür passiert."

Ein Zeuge sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er habe an dem Mahnmal Schüsse gehört. Dann sei ein schwarz gekleideter Mann, dessen Gesicht mit einem Schal verhüllt gewesen sei, zum Parlament gelaufen.

Der 58-jährige Sicherheitschef des Parlaments, Kevin Vickers, soll die tödlichen Schüsse auf den Attentäter abgegeben haben. Vickers ist als Waffen- und Zeremonienmeister auch für Haustechnik und vor allem für die Sicherheit verantwortlich. Der erfahrene Sicherheitsbeamte ist seit 2006 im Amt und war laut CNN zuvor Mitglied der berittenen Polizei.

Debatte um Sicherheit im Parlament

In Kanada entbrannte umgehend eine Debatte über die Sicherheit im Parlament. Der Eingang zu dem Gebäude war nicht abgesperrt. Allerdings gibt es in Kanada im Vergleich zu den USA deutlich weniger Übergriffe mit Schusswaffen. Nach dem Anschlag wurden die Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Gebäuden verschärft. (APA, 23.10.2014)

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Die Gegend um das Parlament in Ottawa war zunächst abgeriegelt.


Tweets der Parlamentarier in Ottawa:

  • Trauer in Ottawa.
    foto: apa/epa/warren toda

    Trauer in Ottawa.

  • Kanadische Sicherheitskräfte im Einsatz in Ottawa.
    foto: ap/wyld

    Kanadische Sicherheitskräfte im Einsatz in Ottawa.

  • Kanadas Regierungschef Stephen Harper ließ bei einer Fernsehansprache wissen, dass sich Kanada nicht durch terroristische Anschläge einschüchtern lasse.
    foto: ep

    Kanadas Regierungschef Stephen Harper ließ bei einer Fernsehansprache wissen, dass sich Kanada nicht durch terroristische Anschläge einschüchtern lasse.

  • youpoliticsnews

    Harpers Ansprache nach dem Attentat in voller Länge.

  • Artikelbild
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    Das Video zeigt einen Polizeizugriff an der Ostseite des Parlaments.

  • storyful, instagram/luis edgardo

    Die Polizei räumt die Straßen.

  • Das Parlament in Ottawa am Mittwochabend.
    foto: epa/warren toda

    Das Parlament in Ottawa am Mittwochabend.

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