Brutinseln sollen Österreichs Kiebitze retten

23. Oktober 2014, 17:40
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Die Bodenbrüter finden immer weniger Rückzugsmöglichkeiten in Ackergebieten

Wien – Tausende von Kiebitzen verlassen derzeit ihre Rastplätze in Österreich – etwa am Unteren Inn und am Neusiedler See –, um während des Winters Zuflucht am Atlantik und am Mittelmeer zu suchen. Ab Ende Februar kommen sie wieder in ihre Brutgebiete vor allem im Norden und Osten des Landes zurück, finden dort allerdings zunehmend schlechte Bedingungen vor. Die Folge: In Kärnten steht der Kiebitz kurz vor dem Aussterben, die Schweiz versucht mit aufwändigen Schutzprojekten die letzten 100 Paare zu retten.

"Bis zu 5000 Kiebitz-Paare haben heuer noch in Österreich gebrütet, circa 95 Prozent davon im Ackergebieten. Von Jahr zu Jahr werden es in vielen Regionen allerdings immer weniger – leider ein europaweiter Trend", bilanziert Hans Uhl, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter bei der Vogelschutzorganisation Birdlife Österreich.

Ursache: Flächendeckende Bodenbearbeitung

Birdlife untersuchte nun mit Unterstützung des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich die Ursachen in einer Kiebitz-Kolonie von 36 Paaren in Hörsching genauer. Wie sich zeigte, gingen drei Viertel der ersten Kiebitz-Nester im untersuchten Ackergebiet in Oberösterreich bereits bis 10. April durch die flächendeckende Bodenbearbeitung zur Aussaat von Zuckerrüben, Soja, Mais verloren. Im Winterweizen wurden sogar alle Bruten aufgegeben.

Bruterfolge gab es nur dort, wo die Kiebitz-Küken sich in wenig landwirtschaftlich genutzte benachbarte Flächen flüchten konnten. Diese "Ausweichflächen" müssen wiederum eine sehr niedrige oder schüttere Vegetation aufweisen, wie etwa auf den gemähten Wiesen des benachbarten Flugplatzes.

Zwei Methoden für Gegensteuern

Mit Hilfe der Landwirte könnte allerdings gegengesteuert werden. Über zwei Methoden: Sie könnten bei den Frühjahrsarbeiten rund um die Nester und Gelege eine Schutzzone aussparen und Raum lassen. Oder aber sie legen temporär nicht bewirtschaftete "Kiebitz-Inseln" an, die 0,5 bis zwei Hektar groß sein müssten und bis Ende Mai nicht bewirtschaftet würden. Auf diese Ackerteile könnten sich die flugunfähigen Küken dann zurückziehen.

Hans Uhl schlägt daher vor, dass "Bundesländer mit den größten Kiebitzvorkommen - also Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Salzburg - über die kommenden ÖPUL-Förderungen ab 2015 neue regionale Projekte zum Kiebitz-Schutz organisieren". (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 23.10.2014)

  • Die Kiebitz-Küken brauchen Freiflächen, auf die sie sich zurückziehen können.
    josef limberger

    Die Kiebitz-Küken brauchen Freiflächen, auf die sie sich zurückziehen können.

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    josef limberger
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