Mythen der Medizin

22. Oktober 2014, 15:25
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Patienten, die sich nicht verarschen lassen wollen - der Verein für Konsumenteninformation gibt ein neues Buch über Wirkung und Nicht-Wirkung heraus

Die Informationsflut rund um Medizin und Gesundheit nimmt zu. Längst nicht alles, was da "angepriesen" wird, weist eine wissenschaftliche Grundlage auf. Mit "100 Medizin-Mythen" hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) am Mittwoch in Wien ein Buch vorgestellt, das bei populären Themen für mehr Klarheit sorgen soll.

Das 220 Seiten dicke Buch ist in Zusammenarbeit der österreichischen Zweigstelle des sogenannten Cochrane Netzwerkes bzw. der Plattform "medizin-transparent.at" mit dem VKI entstanden. Die Cochrane Organisation hat es sich international zur Aufgabe gemacht, durch die Auswertung bereits vorhandener wissenschaftlicher Literatur möglichst objektive Aussagen zu medizinischen Themen, zum Beispiel zu Therapien und Arzneimitteln, zu treffen.

Von Abnehmen bis Zähne

Das Themenspektrum des Bandes reicht vom Abnehmen, wo sich die verschiedensten Mittelchen tummeln, bis hin zu Wundheilung und Zahngesundheit. Was zum Beispiel belegt ist: Die langjährige Einnahme von Aspirin, auch in niedriger Dosierung scheint die Krebsmortalität durch bestimmte bösartige Erkrankungen etwas reduzieren zu können.

Allerdings stellen sich dabei relativ oft Magenprobleme ein. Ein anderes Beispiel, wie es die Autoren zusammenfassen: "Das Tragen von Kompressionsstrümpfen, die bis unters Knie reichen, kann die Wahrscheinlichkeit für Thrombosen auf Langstreckenflügen wahrscheinlich deutlich verringern."

Dafür wiederum fehlt für Antiaging-Effekte von Coenzym Q10 (Haut) oder allgemein für Vitamin E ein Beweis, bei letzterem (sogar schon als biologischer "Rostschutz" angepriesen) könnte eventuell ein erhöhtes Sterberisiko der Preis für die Einnahme größerer Mengen sein.

Wissen, was wahr ist

Der Konsument sollte jedenfalls Heils- und Heilanpreisungen skeptisch begegnen. Skepsis ist aber auch bei den oft für solche Bewertungen verwendeten Meta-Analysen von bereits vorliegenden Studien angebracht.

Neue Untersuchungen sind das nicht, nur das "Poolen" und die erneute Analyse von alten Daten. Manchmal erfolgt das auch nicht durch Experten des jeweils betroffenen Fachgebiets. Irrtümer und Fehlinterpretationen sind auch hier nicht ausgeschlossen.

Gartlehner hat aus der Plattform "medizin-transparent.at" einen Informations- und Anfrage-Service im Internet entwickelt, an den sich Konsumenten mit Gesundheitsfragen wenden können.

Pro Monat wird das bereits von rund 50.000 Menschen genutzt, so NÖ-Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka (ÖVP). "Denn Versprechungen und Mythen gibt es zwar viele, unabhängige Stellen mit objektiven Informationen dagegen kaum", meinte VKI-Geschäftsführer Franz Floss. Das Buch kann über den Verein für Konsumenteninformation bestellt werden. (APA, derStandard.at, 22.10.2014)

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