Ausstellung: Zeig mir deinen Schwanenhals

Ansichtssache28. Oktober 2014, 18:20
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Markante Bildausschnitte, eine extrem grobkörnige Auflösung, das Spiel mit Schärfe und Unschärfe, starke Hell-dunkel-Kontraste: Die Techniken, mit denen Lillian Bassmann ab den 1940er-Jahren arbeitete, gehören heute zum fotografischen Repertoire. Wenige Fotografen setzen sie allerdings so mutig ein wie die 1917 geborene amerikanische Fotografin. Als Art-Direktorin von Junior Bazaar, einem Ableger von Harper's Bazaar,entwickelte sie einen Stil, der die Modefotografie mit der Abstraktion und der Malerei verband.

Im Wiener Kunsthaus ist der 2012 verstorbenen Fotografin eine Ausstellung gewidmet. Das Besondere daran: Sie wird im Wechselspiel mit ihrem Mann, mit dem sie unglaubliche 78 Jahre lang ein Paar war, präsentiert. Mit Paul Himmel teilte sie die Liebe zu Bewegungsbildern und Wischeffekten. Während Bassmann aber immer in einem kommerziellen Kontext arbeitete (und dabei äußerst erfolgreich war), näherte sich Himmel immer weiter der Kunst an. Nachdem Fotografie als künstlerische Ausdrucksweise lange nicht anerkannt war, fand er kaum kommerzielle Auftraggeber. Er arbeitet mit Über- und Langzeitbelichtungen, beendete seine Karriere aber bereits 1969 und wurde Psychotherapeut.

Legendär sind seine Aufnahmen des New York City Ballet, fließende Bewegungsstudien, die auch heute noch in ihren Bann ziehen. Die Ausstellung wurde für das Haus der Photographie in Hamburg erarbeitet und ist bis 8. Februar im Wiener Kunsthaus zu sehen. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 24.10.2014)

Lilian Bassmann & Paul Himmel: "Zwei Leben für die Fotografie". Bis 8. Februar im Kunsthaus Wien, Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien.

kunsthauswien.com

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foto: © karin kohlberg

Lillian Bassman und Paul Himmel vor ihrem Haus in New York, 2003

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