Ebola: USA verschärfen Einreisebestimmungen

22. Oktober 2014, 08:45
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Reisende aus Liberia, Sierra Leone und Guinea dürfen nur über fünf Flughäfen einreisen - Verdachtsfall in Newark - Deutsches Rotes Kreuz beklagt mangelnde Zahl an freiwilligen Helfern

Freetown/Conakry/Monrovia - Aus Furcht vor einer Ausbreitung der Ebola-Epidemie verschärfen die USA die Einreise-Bestimmungen für Flugpassagiere aus den besonders stark betroffenen Ländern in Westafrika. Reisende aus Liberia, Sierra Leone und Guinea dürften künftig nur über fünf große Flughäfen - unter anderem in New York und Washington - in die USA einreisen, erklärte das Heimatschutzministerium am Dienstag.

In der Praxis dürfte die neue Regelung geringe Auswirkungen auf den Flugverkehr haben: Rund 94 Prozent aller Reisenden aus dem Ebola-Gebiet landen dem Ministerium zufolge ohnehin auf den ausgewiesenen Airports. Dort werde bei ihnen Fieber gemessen, das auf eine Ebola-Infektion hindeuten könnte.

Verdacht in den USA

Einen solchen Fall hat es am Dienstag wieder gegeben: Ein Mann aus Liberia wurde nach seiner Ankunft auf dem Flughafen von Newark bei New York wegen Ebola-Verdachts in ein Krankenhaus eingewiesen, berichtete der Sender NBC am Mittwoch unter Berufung auf nicht genannte Quellen. Der Mann habe Fieber gehabt. Er war von seiner Heimat Liberia über Brüssel nach Newark geflogen.

Die Symptome könnten auf eine Ebola-Infektion hinweisen, sagte eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde CDC dem Sender. In den USA ist bisher ein Mann an Ebola gestorben. Er stammte ebenfalls aus Liberia, das am schlimmsten von der derzeitigen Epidemie in Westafrika betroffen ist. Zwei Krankenschwestern haben sich während seiner Behandlung mit dem Virus infiziert. Sie sind inzwischen in guter Verfassung, teilten die National Institutes of Health mit. Ein Kameramann, der für den Sender NBC arbeitet, soll nach Angaben seiner Klinik in Nebraska bereits am Mittwoch entlassen werden. Er trage das Virus nicht mehr in sich.

Drei Viertel für Flugverbote

Die neuen Einreisebestimmungen bleiben hinter dem von einigen Politikern in Washington geforderten Einreiseverbot zurück. Einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage von Reuters/Ipsos zufolge wollen fast drei Viertel der Amerikaner Passagierflüge zwischen den USA und den drei von Ebola besonders stark betroffenen Ländern ganz verbieten lassen. Einen vergleichbaren Schritt ging am Dienstag die Dominikanische Republik: Passagiere, die in den vergangenen 30 Tagen im Ebola-Gebiet waren, werde künftig die Einreise verweigert, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Tausende Mitarbeiter des New Yorker Gesundheitswesens haben indes ein Training für den Ebola-Ernstfall absolviert. Ärzte, Krankenschwestern sowie Reinigungskräfte und Hilfspersonal sollten lernen, Ebola-Symptome zu erkennen und wie man die Verbreitung des gefährlichen Virus verhindere, berichteten New Yorker Medien.

Kanada sucht Arznei

Das kanadische Unternehmen Tekmira Pharmaceuticals hat indes mit der Produktion eines Arzneimittels gegen Ebola begonnen. Das neue Medikament TKM-Ebola, das in der Erprobungsphase ist, solle bis Anfang Dezember verfügbar sein, teilte die Firma am Dienstag mit. Es werde aber nur im begrenztem Umfang hergestellt.

Auch das US-Unternehmen Johnson & Johnson will die Entwicklung seines Ebola-Impfstoffes beschleunigen und 2015 eine Million Impfdosen zur Verfügung stellen - 250.000 bereits bis Mai. 200 Millionen Dollar (156,72 Mio. Euro) würden dafür aufgebracht, teilte J&J am Mittwoch mit.

Bisher gibt es gegen die Viruserkrankung kein zugelassenes Medikament. Die Aufsichtsbehörden in den USA und Kanada genehmigten aber im September den Einsatz von TKM-Ebola bei Infizierten und Verdachtsfällen.

483 Freiwillige aus Deutschland

In Deutschland beklagte das Rote Kreuz (DRK) die zu geringe Bewerberzahl für den Einsatz von Freiwilligen im Kampf gegen das Virus in Westafrika. Wie die Zeitung "Die Welt" in ihrer Mittwochsausgabe unter Berufung auf Angaben des DRK berichtete, meldeten sich bisher 483 Menschen für die Arbeit in zwei Behandlungszentren des DRK in Sierra Leone und Liberia.

Von diesen seien 196 grundsätzlich geeignet, darunter 82 Ärzte. Diese Zahl reiche aber "bei weitem nicht aus, um die Kliniken über Monate hinweg zu betreiben", sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters der Zeitung. Zudem sei geplant, das Personal alle vier Wochen auszutauschen. Die Verhältnisse dort beschrieb Seiters als "katastrophal". In den am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea sei die Gesundheitsversorgung "praktisch zusammengebrochen". Er rief daher eindringlich zu Spenden auf.

Seit dem Ausbruch der Epidemie sind laut WHO mehr als 9000 Kranke in Guinea, Liberia und Sierra Leone gemeldet worden, von denen rund die Hälfte an der Krankheit gestorben ist. Die Seuche wurde in die USA, nach Spanien, Nigeria und in den Senegal eingeschleppt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte Senegal und Nigeria inzwischen aber wieder für Ebola-frei. (APA/Reuters, 22.10.2014)

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