Zum Krenreiben

Einserkastl21. Oktober 2014, 17:40
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Es gibt Produkte nicht mehr, die früher auf der Liste der österreichischen Grundnahrungsmittel standen

Wie man aus eigener Erfahrung oder aus dem STANDARD (Agenda am 5. Oktober) weiß, gibt es derzeit auf dem Naschmarkt kein Schweinefleisch zu kaufen - nicht weil man uns zu schweinefleischabstinenten Religionen oder zu gesünderer Kost bekehren möchte, sondern einfach so. Einfach so gibt es auch andere Produkte nicht mehr, die früher auf der Liste der österreichischen Grundnahrungsmittel standen. Das heißt, es gibt sie schon, aber ...

Samstagnachmittag kommt man auf die Idee, einfach so, ohne ein Verkehrsmittel zu besteigen, Kren erwerben zu wollen. "Kren?", fragt der Verkäufer in Supermarkt Nummer eins: Das Wort hat er noch nicht gehört (was ein Bummerlsalat oder eine Truthahnwurst ist, wissen sie auch alle nicht mehr). Bei Meerrettich geht dem jungen Mann ein Licht auf, er zeigt in die Ecke mit den Konserven. In Supermarkt Nummer zwei schauen wir nur und fragen gar nicht mehr nach. In Supermarkt drei quillt die Gemüseabteilung über: alles da, kein Kren. "Vielleicht nächste Woche. Gibt es selten, keine Nachfrage", ist die Auskunft mit Verweis aufs Glas, Kilopreis etwa 25 Euro.

Eine schlechte Kopie des "real thing". Aber das ist es wohl, was die Leute haben wollen. Auch nur so ist es ja zu erklären, dass mehlige Erdäpfel so selten wie Trüffel sind: Das Püree kommt bekanntlich aus dem Packerl. Geselchte Rindszunge mit Krensauce und Erdäpfelpüree: Das ist die neue Exotik. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 22.10.2014)

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