Reicher als EU-Durchschnitt, ärmer als Schweden

24. Oktober 2014, 16:22
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Aktuelle Daten über Kinderarmut in Österreich und ein Forschungsprojekt über Wege aus der Armut

Wien - Kinderarmut drückt sich in vielen Bereichen aus. Die Folgen davon bleiben oft ein Leben lang bestehen - etwa, wenn es um Gesundheit, Bildung oder die Wohnsituation geht. Deshalb führten die Volkshilfe und die Sozialökonomische Forschungsstelle eine Studie zur Forschungslage bezüglich Armut und Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen in Österreich durch.

Die Armutsgefährdungsquote von Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren ist demnach mit 15,4 Prozent höher als in der Gesamtbevölkerung bei 13 Prozent. In absoluten Zahlen entspricht das 235.000 von Armut gefährdeten Kindern in Österreich. Als armutsgefährdet gelten dabei jene Haushalte, deren Nettoeinkommen unter 60 Prozent des Medians aller Einkommen liegt.

Schwellenwert für Armutsgefährdung war in Österreich laut EU-Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU SILC) 2012 ein Betrag von 1.090 Euro pro Monat für Alleinlebende, plus 327 Euro pro Monat für jedes Kind unter 14 Jahren und 545 Euro für jeden weiteren Erwachsenen.

Im europäischen Vergleich ist die Armutsgefährdung von Kindern in Österreich zwar deutlich niedriger als im EU-Durchschnitt mit 20,5 Prozent, jedoch höher als in Norwegen und Dänemark, wo rund zehn Prozent der Kinder von Armut gefährdet sind. Auch in Schweden, Zypern, Slowenien und Tschechien ist ein geringerer Anteil der Kinder armutsgefährdet als in Österreich.

Wenn man den Blick über die Einkommensarmut hinaus weitet und sich die Lebensbedingungen von Kindern in Österreich ansieht, zeigt sich ein differenzierteres Bild. Laut EU SILC 2011 lebt mehr als jedes zehnte Kind in einem Haushalt, in dem weniger als einmal pro Monat Freunde oder Verwandte eingeladen werden können.

Strategien erarbeiten

Bei mehr als 25 Prozent der Kinder können es sich die Eltern nicht leisten, auf Urlaub zu fahren. Bei etwa ebenso vielen können keine unerwarteten Ausgaben über 950 Euro getätigt werden.

In Zusammenarbeit mit der Volkshilfe Wien plant nun Elisabeth Raab-Steiner, Professorin für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Campus Wien, ein Forschungsprojekt zu Kinderarmut. Dabei will Raab-Steiner analysieren, wie es manche Kinder schaffen, einen Weg aus der Armut zu finden, obwohl sie in widrigen Verhältnissen aufwachsen. Daraus sollen sich in weiterer Folge Präventionskonzepte gegen Armut ableiten. Neben quantitativen Annäherungen an Armut fordert sie dabei auch qualitative Zugänge ein. Denn bei Kinderarmut gehe es um viel mehr als um Einkommensarmut, den Kindern würden Bildungschancen und generell die Teilhabe am sozialen Leben verwehrt bleiben.

Anlässlich des internationalen Tags für die Beseitigung von Armut organisierte die Volkshilfe am 14. Oktober eine Fachtagung zu Kinderarmut an der Fachhochschule Campus Wien - Videos von den Vorträgen sind online abrufbar. (trat, DER STANDARD, 22.10.2014)

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