Die Uhr der Woche: Der teuerste Wecker der Welt

Ansichtssache22. Oktober 2014, 18:58
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Die Ausnahme-Manufaktur Patek Philippe hat zu ihrem 175. Geburtstag ein weiteres Meisterstück vorgestellt: Die hochkomplizierte Grandmaster Chime Referenz 5175

foto: patek philippe

Zum Gedenken an den 175. Jahrestag ihrer Gründung hat die Manufaktur Patek Philippe Mitte Oktober in Genf vor 300 geladenen Gästen eine Reihe von Jubiläums-Zeitmessern in limitierten Auflagen vorgestellt, aus denen eine besonders hervorsticht.

Sie ist die bisher komplizierteste Armbanduhr der noblen Genfer Familienmanufaktur und eine der kompliziertesten Armbanduhren der Welt. Dies liegt nicht nur an der Anzahl (20!) und Art der Komplikationen, von denen zwei zum allerersten Mal die Bühne der Uhrengeschichte betreten.

Die Grandmaster Chime ist zudem die erste Double-Face Armbanduhr von Patek Philippe, die nach Belieben mit dem einen oder anderen Zifferblatt nach oben getragen werden kann: das eine mit dem Schwerpunkt auf Uhrzeit und Sonnerie, das andere mit Fokus auf dem augenblicklichen ewigen Vollkalender. Die wichtigsten Informationen wie die aktuelle Uhrzeit und das Datum werden übrigens auf beiden Zifferblättern angezeigt.

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foto: patek philippe

In seinem Double-face Gehäuse von 47 mm Durchmesser birgt der Zeitmesser neben vier Federhäusern ganze 20 Komplikationen, darunter Funktionen wie die Grande und Petite Sonnerie, eine Minutenrepetition, einen augenblicklichen ewigen Kalender mit vierstelliger Jahresanzeige, eine zweite Zeitzone und zwei patentierte Weltpremieren im Bereich der Schlagwerke: einen akustischen Alarm mit Schlag der Alarmzeit und eine Datumsrepetition, die auf Wunsch das Datum erklingen lässt. Vier weitere Patente wurden angemeldet.

Um komplizierte Uhren vor Beschädigung durch versehentliche Fehlmanipulationen zu schützen, haben die Konstrukteure ausgeklügelte "Isolatoren" entwickelt, die den Kraftschluss zwischen verschiedenen Mechanismen unterbrechen oder einzelne Funktionen blockieren, solange andere in Aktion sind.

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foto: patek philippe

Als besonders benutzerfreundlich werden die gravierten Inschriften und Symbole an Gehäuse und Funktionsdrückern angepriesen, die die Grandmaster Chime zu einer "selbsterklärenden Grande Complication" machen sollen.

Entsprechend groß ist der Aufwand: Mehr als 100.000 Arbeitsstunden wurden für die Entwicklung, Fertigung und Montage aufgewendet, davon 60.000 Stunden für die Einzelteile des Uhrwerks (Handaufzugskaliber GS AL 36-750 QIS FUS IRM). Jedes Uhrwerk besteht aus 1.366 Einzelteilen und jedes Gehäuse aus 214 einzelnen Komponenten, die sich für jede Grandmaster Chime auf insgesamt 1.580 Teile summieren.

Es brauchte 11.060 sorgfältig von Hand finissierte und montierte Einzelteile, um die auf sieben Exemplare limitierte Edition des Patek Philippe Jubiläumszeitmessers Grandmaster Chime fertigzustellen.

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foto: patek philippe

Grande und Petite Sonnerie
Diese Funktion, die automatisch zu jeder vollen Stunde die Anzahl Stunden und zu jeder Viertelstunden die Anzahl Stunden und Viertelstunden erklingen lässt (als Petite Sonnerie zu den vollen Stunde die Anzahl Stunden und zu den Viertelstunden nur die Anzahl Viertelstunden), gehört zu jenen Komplikationen, die sich Patek-Kunden für eine Armbanduhr immer gewünscht hatten, wie es von Seiten der Firma heißt. Die dazu erforderlichen Technologien stehen aber erst seit diesem Jahrhundert zu Verfügung, heißt es weiter.

Dafür garantiert nun das für die Schlagwerkfunktionen reservierte Doppelfederhaus eine Gangautonomie von über 30 Stunden, bis man es wieder von Hand aufziehen muss. Und dies, obwohl die Viertelschläge nicht mit Doppel-, sondern auf drei Tonfedern mit Dreifachschlägen in unterschiedlichen Tonfolgen erklingen, was mit jedem Viertelschlag 50 Prozent mehr Kraft kostet.

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foto: patek philippe

Minutenrepetition und Alarm
Das Schlagwerk-Doppelfederhaus liefert auch die Energie für die Minutenrepetition, die auf Verlangen sowohl die Stunden und Viertel als auch die seit der letzten Viertelstunde verstrichenen Minuten schlägt.

Darauf ist man besonders stolz: War es doch die Genfer Manufaktur, die vor 25 Jahren das Comeback dieser "Königin der Komplikationen" eingeläutet hatte. In gleicher Qualität ist der Alarm zu hören, der die Alarmzeit in der kompletten Tonfolge der Minutenrepetition läutet. Eine Funktion, die es in einer mechanischen Armbanduhr noch nie zuvor gegeben hat. Und dies ist nicht die einzige "schlagende" Weltneuheit, die in der Grandmaster Chime ihren Einstand feiert:

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foto: patek philippe

Die Datumsrepetition
Die Idee zu dieser patentierten Weltneuheit geht auf die Anregung eines langjährigen Patek Philippe-Kunden zurück, der im Gespräch mit dem Manufaktur-Präsidenten Thierry Stern die Möglichkeit eines Datumschlages erwähnte.

Jetzt wurde sie in der Grandmaster Chime zur Wirklichkeit. Auf Knopfdruck sind die Zehntagesintervalle mit Doppelschlag hoch-tief und die weiteren Tage mit hohem Schlag zu hören: der 23. des Monats erklingt also mit ding-dong ding-dong, gefolgt von ding-
ding-ding.

Die Datumsinformation erhält das Schlagwerk vom ewigen Kalender, dem eine eigene Seite dieser Double-face Uhr gewidmet ist und der die Datumsanzeigen auf beiden Zifferblättern der Uhr steuert.

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foto: patek philippe

Augenblicklicher ewiger Kalender
Das Zifferblatt des ewigen Kalenders ist auf vier Hilfszifferblättern mit Zeigeranzeigen aufgeteilt, die sich um die goldgerahmte vierstellige Jahresanzeige in der Mitte gruppieren. Bei 3 Uhr der Monat, bei 6 Uhr das Datum und der Schaltjahrzyklus und bei 9 Uhr der Wochentag. Bei 12 Uhr thront die Uhrzeit mit 24-Stunden- und 60-Minutenskala.

Die Kalenderanzeigen schalten mit Ausnahme der vierstelligen Jahreszahl augenblicklich und synchron, was gerade beim Datum unerlässlich ist, weil die Datumsrepetition auch in der Zeit um Mitternacht eine eindeutige Information erhalten muss.

Das ewige augenblickliche Datum wird auch auf der anderen Seite der Uhr angezeigt, wo es bei 6 Uhr die Mondphasenanzeige umrahmt. Ein Patent für die vierstellige Jahresanzeige würdigt die mechanische Lösung, dank der die Anzeige mit Hilfe zweier Drücker auf einfache Weise vor- oder zurückgestellt werden kann.

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foto: patek philippe

Ortszeit und zweite Zeitzone
Zeigt die Aufzugskrone der Uhr nach rechts, blickt man auf das Zifferblatt, das außer der lokalen Uhrzeit auch noch die Stunde einer zweiten Zeitzone mit Tag-/Nacht-Information anzeigt. Auf dem selben Zifferblatt sind außerdem die Gangreserveanzeigen für das Geh- und das Schlagwerk zu sehen, die Position der Aufzugskrone (Aufziehen, Alarm stellen, Zeiger stellen), die Wahl des automatischen Zeitschlages (Grande Sonnerie, Petite Sonnerie oder Silence) sowie ein glockenförmiges Fenster für die Anzeige 'Alarm ON/OFF' und ein kleines rundes Fenster mit der Schlagwerkisolationsanzeige 'Ein/Aus'.

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foto: patek philippe

Das runde Double-face Gehäuse als Grande Construction
Analog dem Begriff Grand Complication, mit dem Uhrwerke mit mehreren anspruchsvollen Komplikationen beschrieben werden, bezeichnet der Ausdruck Grande Construction ein Uhrgehäuse für dessen Konstruktion, Fertigung und Dekoration mehrere Meister ihrer Sparten ihr ganzes Können mobilisieren müssen. So hat allein die Entwicklung des Gehäuses der Grandmaster Chime vier Jahre gedauert. Das Ergebnis: eine Double-face Uhr mit zwei völlig gleichwertigen Gesichtern. Das Geheimnis liegt in den Anstößen und einem Wendemechanismus, der sich sehr leicht und einfach bedienen lässt, die Uhr aber stets in der gewählten Position fixiert.

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foto: patek philippe

Bei der Grand Master Chime wurde das Gehäuse in mehreren hundert Arbeitsstunden durch die Hand eines Meistergraveurs veredelt. Er schmückt das Roségoldgehäuse über und über mit Reliefgravuren stilisierter Lorbeerblätter und versieht mit scharfem Stichel die einzelnen Funktions- und Korrekturdrücker mit Inschriften oder Symbolen, damit sich der komplexe Zeitmesser auch ohne Bedienungsanleitung benützen lässt, wie die Manufaktur versichert.

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foto: patek philippe

Ausgeliefert wird die Grandmaster Chime in einer Jubiläums-Schatulle aus Makassar-Ebenholz und 17 weiteren Holzarten, der mit Intarsien und Goldeinlagen geschmückt ist. Er enthält neben der Uhr alle Begleitdokumente und eine Ehrenmedaille aus Gold mit Sujets der Manufakturgeschichte und den Porträts der Manufaktur-Präsidenten aus der Familie Stern, die seit 1932 das Geschick von Patek Philippe bestimmen.

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foto: patek philippe

Die Patek Philippe Grandmaster Chime wird im Andenken an das 175-jährige Jubiläum der Manufaktur in einer limitierten Edition von sieben Exemplaren gefertigt. Sechs davon sind für den Verkauf an langjährige Sammler von Patek Philippe Uhren bestimmt, während das siebente einen Ehrenplatz in den Vitrinen des Patek Philippe Museums finden wird, wo sich das Publikum an ihr erfreuen kann.

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Hier noch einmal die 20 Komplikationen der Patek Philippe Grandmaster Chime Referenz 5175 auf einen Blick:
1 Grande Sonnerie
2 Petite Sonnerie
3 Minutenrepetition
4 Schlagwerkmodusanzeige (Silence/Grande Sonnerie/Petite Sonnerie)
5 Alarm mit Zeitschlag
6 Datumsrepetition
7 Gangreserveanzeige des Gehwerks
8 Gangreserveanzeige des Schlagwerks
9 Schlagwerk-Isolationsanzeige
10 Zweite Zeitzone
11 Tag-/Nacht-Anzeige zur zweiten Zeitzone
12 Augenblicklicher ewiger Kalender
13 Wochentagsanzeige
14 Monatsanzeige
15 Datumsanzeige (auf beiden Zifferblättern)
16 Schaltjahrzyklus
17 Vierstellige Jahresanzeige
18 24-Stundenanzeige mit Minutenzeiger
19 Mondphasen
20 Kronenpositionsanzeige (RAH)

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Sie kostet 2,5 Millionen Franken (rund 2,3 Millionen Euro). Jeder potenzielle Kunde muss übrigens persönlich bei Thierry Stern vorsprechen. Dies, um zu sehen, ob der Interessent auch würdig ist, die Grandmaster Chime sein Eigen nennen zu dürfen - und um der Spekulation mit dem edlen Teil einen Riegel vorzuschieben.

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ablogtowatch.com

Hier das Video zur Entstehung der Jubiliäumsuhr.

(max, derStandard.at, 21.10.2014)

Info: Patek Philippe

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