Pistorius: Fünf Jahre Haft, bald Hausarrest möglich

21. Oktober 2014, 14:05
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Richterin: Findung des Strafausmaßes nicht einfach - Sprintstar will "Möglichkeit nutzen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben"

Pretoria - Der südafrikanischen Paralympics-Star Oscar Pistorius ist am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Findung des Strafmaßes war nach Angaben von Richterin Thokozile Masipa keine "einfache Sache".

Die Richterin hatte dem Angeklagten grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen. Als Pistorius in der Valentinsnacht 2013 vier Schüsse auf eine geschlossene Toilettentür in seiner Villa abfeuerte, habe er wissen müssen, dass es für die Person dahinter kein Entkommen geben konnte, sagte Masipa am Dienstag in Pretoria.

Zudem verurteilte die Richterin Pistorius zu drei Jahren Haft wegen rücksichtslosen Gebrauchs einer Waffe. Dieser Teil der Strafe wurde auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Nach Ende der Strafmaßverkündung wurde der Angeklagte sofort ins Gefängnis gebracht. Er könnte aber Juristen zufolge bei guter Führung bereits nach zehn Monaten Anspruch auf eine Verlegung in den Hausarrest haben.

Auffassung der Staatsanwaltschaft

Mit der Einschätzung, dass Pistorius nicht einfach versehentlich, sondern auf grobe Weise fahrlässig handelte, schloss sich die Richterin der Auffassung der Staatsanwaltschaft an. Die Anklage hatte für Pistorius eine Strafe von mindestens zehn Jahren verlangt.

Die Verteidigung bat darum, ihm das Gefängnis zu ersparen und nur Hausarrest zu verhängen. Sie verwies dabei auf die Behinderung des beidseitig beinamputierten Sportlers. Masipa erklärte hingegen, auch Behinderte könnten eine Gefängnisstrafe absolvieren. Sie fügte hinzu, dass es schlecht für die Gerechtigkeit in Südafrika wäre, wenn der Eindruck entstünde, dass Reiche und Berühmte vor Gericht besser behandelt werden als Arme.

Weder Verteidigung noch Staatsanwaltschaft kündigten zunächst Berufung an. Sie haben dafür bis zu zwei Wochen Zeit. Ein Berufungsverfahren würde die Vollstreckung der Gefängnisstrafe bis zur Entscheidung durch das Oberste Gericht Südafrikas aussetzen.

Pistorius dürfte das Urteil aber akzeptiert haben, hieß es aus dem Kreise seiner Familie. "Oscar wird diese Möglichkeit nutzen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben", sagte sein Onkel Arnold Pistorius.

Vergleich mit früheren Urteilen

Nicht nur das Handeln von Pistorius bei der fahrlässigen Erschießung seiner Freundin Reeva Steenkamp vor rund 20 Monaten sei zu beurteilen gewesen. Auch weitere Gesichtspunkte spielten eine Rolle, sagte die Richterin. Auch das Interesse der Öffentlichkeit an einer angemessenen Strafe sei zu berücksichtigen gewesen. Die Richterin führte mehrere frühere Gerichtsverfahren und Urteile an, die sie zum Vergleich herangezogen habe.

Von Paralympics ausgeschlossen

Der Sprintstar sei für die gesamte Zeit seiner Haft von den Paralympics ausgeschlossen. Selbst wenn seine Strafe nach einiger Zeit in Hausarrest umgewandelt würde, bleibe Pistorius fünf Jahre lang gesperrt, sagte ein Sprecher des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC). Die Paralympics in Rio de Janeiro in zwei Jahren wird Pistorius damit verpassen. Ein Start wäre nur dann möglich, wenn die Haftstrafe in einem Berufungsverfahren verkürzt würde.

Der Sprinter hatte das 29-jährige Model in der Nacht zum Valentinstag 2013 erschossen und erklärt, sie mit einem Einbrecher verwechselt zu haben. Richterin Masipa akzeptierte das, wies die Mordanklage am 12. September zurück und sprach Pistoirus stattdessen lediglich der fahrlässigen Tötung schuldig.

Die Staatsanwaltschaft fordert mindestens zehn Jahre Gefängnis. Die Verteidigung machte hingegen mildernde Umstände geltend und beantragte, ihm das Gefängnis zu ersparen und ihm stattdessen Hausarrest sowie gemeinnützige Arbeit aufzuerlegen. (APA, 21.10.2014)

  • Pistorius hörte der Strafmaßverkündung angespannt zu.
    foto: reuters/herman verwey

    Pistorius hörte der Strafmaßverkündung angespannt zu.

  • Pistorius vor der Strafmaßverkündung.
    foto: reuters/siphiwe sibeko

    Pistorius vor der Strafmaßverkündung.

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