Ebola-Screenings an Zielflughäfen nützen kaum

21. Oktober 2014, 09:42
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Wissenschafter haben Flugpläne analysiert: Am effizientesten sind noch Ausreisekontrollen in Westafrika

Ebola-Kontrollen von Reisenden aus Westafrika bei ihrer Ankunft an Flughäfen im Ausland haben einer Studie zufolge kaum einen zusätzlichen Nutzen. "Der beste Weg, die Risiken für die globale Gemeinschaft zu minimieren, ist es, die Epidemie an ihrer Quelle zu kontrollieren", schreiben kanadische Forscher in dem britischen Fachmagazin "The Lancet".

Die Passagier-Screenings in den von dem tödlichen Virus betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sind nach den Recherchen der Wissenschafter effektiver. Die Flugzeiten seien im Vergleich zur Inkubationszeit kurz. Deshalb bringe es wenig, die Patienten bei ihrer Ankunft gleich noch einmal durchzuchecken.

Effektive Kontrollen gefordert

Für ihre Studie haben die Wissenschafter die weltweiten Flugpläne und Ebola-Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO analysiert. Sie betonen, wie wichtig es sei, dass die Kontrollen effektiv durchgeführt würden: Ohne diese Checks verließen drei mit Ebola infizierte Menschen im Monat Westafrika auf internationalen Flügen.

Das Screening am Ankunftsort dagegen könne "ein Sicherheitsgefühl vermitteln", hätte aber "im besten Fall geringfügige Vorteile, und könnte wertvolle Ressourcen von effektiveren Gesundheitsmaßnahmen wegziehen", meinte Kamran Khan vom St. Michael's-Krankenhaus in Toronto.

Keine Direktflüge nach Österreich

Aus den Ebola-Regionen reisen Menschen vor allem nach Ghana, in den Senegal, nach Großbritannien, Frankreich und Gambia. Mehr als 60 Prozent der Flugreisenden hätten 2014 voraussichtlich Ziele in ärmeren Staaten. "Wenn man bedenkt, dass diese Länder begrenzte medizinische und öffentliche Gesundheitsressourcen haben, könnten sie Probleme haben, die importierten Ebola-Fälle schnell zu identifizieren und effektiv darauf zu reagieren", sagte Khan. In Sierra Leone, Liberia und Guinea starten keine Direktflüge nach Österreich oder Deutschland.

Keinen Platz sollte es in der Öffentlichkeit in Europa für die Diskriminierung oder Stigmatisierung von Flüchtlingen und Migranten aus dem Titel "Ebola" heraus geben, so Sprenger: "Flüchtlinge und Migranten spielen bei Ebola überhaupt keine Rolle." Aber nicht dringend notwendige Reisen nach Westafrika sollten derzeit unterbleiben.

Drei Wochen Inkubationszeit

Freilich, auch Ausreisekontrollen in Westafrika können laut dem Chef der EU-Agentur für Krankheitskontrolle (ECDC/Stockholm) nur einen beschränkten Effekt haben. "Es gibt Berechnungen, wonach man auch mit optimalen Kontrollen bei der Ausreise nur etwa 20 Prozent der Betroffenen entdeckt", sagte er vergangenen Freitag bei einem Besuch bei Gesundheitsministerin Sabine Oberhaueser in Wien. Die Inkubationszeit nach einer Infektion durch das Ebola-Virus beträgt bis zu drei Wochen - ohne Symptome. (APA, derStandard.at, 21.10.2014)

  • Der beste Weg, die Risiken für die globale Gemeinschaft zu minimieren, ist es, die Epidemie an ihrer Quelle zu kontrollieren", schreiben kanadische Forscher in dem britischen Fachmagazin "The Lancet".
    foto: dpa/boris roessler

    Der beste Weg, die Risiken für die globale Gemeinschaft zu minimieren, ist es, die Epidemie an ihrer Quelle zu kontrollieren", schreiben kanadische Forscher in dem britischen Fachmagazin "The Lancet".

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