Neues aus den ORF-"Seitenblicken": Eine Frau namens Schiller

20. Oktober 2014, 18:20
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Wie man erfahren konnte, begibt sich die Frau neuerdings auf Kabarettbühnen

Eine reife, gachblonde Wiener Frau, von der man nichts Näheres weiß, außer dass da einmal eine Misswahl, ein exreicher, noch immer mit dabei seiender Mann, dann jahrelang nichts und jetzt seit 20 Jahren die ORF- Seitenblicke und diverse Beistellsendungen auf Österreichs Privatsendern waren, läuft unter keinen Umständen vor der Kamera davon. Die Seele wohnt im konkreten Fall nicht im biologischen Festkörper, sondern als abgelichtete Idee der reifen, gachblonden Wiener Frau in der jeweils aktuellen Seitenblicke-Sendung.

Reif und gachblond darf man sehr wahrscheinlich nicht sagen, weil Altwerden verboten ist und die persönliche Würde mehr als alles andere geschützt werden muss (Hunger, Durst, lästig, fad). Sie muss selbst dann verteidigt werden, wenn sich die in den Seitenblicken zur Schau gestellten Personen nahe einem klinischen Krankheitsbild selbst zur Schau stellen.

Das ergibt übrigens bei näherer Betrachtung das Bild eines Hamsters im Laufrad, der - schnell, schnell - immer schon da ist, wenn ein Kamerateam zufällig von der Seite her auf Besuch kommt. Darin beschwert er sich dann, dass der Spargel versalzen, die Wetterstimmung nicht so gut und die aktuelle "Dschärity-Veranstaltung" drittklassig besetzt war - oder "die Medien" ja doch immer schreiben, was sie wollen.

Wie man jetzt aus den Seitenblicken erfahren konnte, begibt sich die Frau, die vorgibt Jeannine Schiller zu sein und immer ihren Mann namens Dings dabei hat, neuerdings auf Kabarettbühnen. Dort oben, das haben wir nun erfahren, ist schnell Schluss mit lustig. Zum Lustigsein müsste man nämlich lustig sein. Ich hoffe, das war jetzt nicht zu kompliziert. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 21.10.2014)

  • Jeannine Schiller.
    foto: standard/schiller

    Jeannine Schiller.

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