Türkei hilft Kurden: Ein Kurswechsel aus Not

Kommentar20. Oktober 2014, 17:58
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Die Türkei muss nun für das Fiasko ihrer Syrien-Politik bezahlen

Verzockt und isoliert. Als die Türkei vergangene Woche trotz jahrelanger Werbekampagne bei afrikanischen und arabischen Regierungen die Wahl für einen Sitz im UN-Sicherheitsrat gegen Neuseeland und Spanien verlor, dämmerte manchen in Ankara: Mit dem Anspruch der Türkei als neuer planetarer Gestalterin ist nicht viel los. Die Karte sticht nicht mehr. Mit ihrer autoritären Politik nach innen und ihrer erratischen Politik nach außen hat die Türkei viele vor den Kopf gestoßen.

Für das Fiasko ihrer Syrien-Politik muss sie nun bezahlen. Staatschef Tayyip Erdogan wollte erst alles - den Sturz des Assad-Regimes - und dann gar nichts - keine klare Beteiligung an der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Als die US-Armee auch noch mit dem Abwurf von Waffen und Munition über der umkämpften Stadt Kobane an der türkisch-syrischen Grenze begann, stand die türkische Regierung mit dem Rücken zur Wand. Wenn die Türkei den Kurden nicht hilft, tun wir es eben, erklärten die Amerikaner. Und Ankara begriff: Wenn wir jetzt nicht mittun, wird die bewaffnete Autonomie der Kurden in Syrien eben mithilfe der USA kommen.

Wie Erdogan seinen Bürgern nun den Kurswechsel erklärt und das freie Geleit für kurdische Kämpfer aus dem Nordirak nach Kobane, ist seine Sache. Seit Sonntag jedenfalls steht auch die Türkei im Krieg mit den Islamisten der IS. Unvorbereitet rutscht das Land in eine neue Gefahr. (Markus Bernath, DER STANDARD, 21.10.2014)

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