Lieber online als ganz allein 

21. Oktober 2014, 10:29
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Theaterprojekt Enter Train mit 23 Darstellern aus Österreich, Türkei, Iran, Korea und Deutschland in der Ankerbrotfabrik

"So oder so sitzen wir alle im selben Zug", sagt Durmus Dogan, Regisseur des Theaterprojektes Enter Train. "Wir leben in einer Welt der Flachbildschirme, in der man immer online sein muss". Da wird fast nur noch via Social Media kommuniziert, und wer damit nicht zurande kommt, bleibt auf der Strecke. Mit 23 Darstellern aus Österreich, Türkei, Iran, Korea und Deutschland arbeitet Dogan in der Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik gewissermaßen an einer Vermessung dieser Welt.

Die Reise führt zunächst an merkwürdigen Gestalten vorbei. An lebenden Toten, die beim Surfen im Internet ins Netz gekippt sind. Man begegnet einer Künstlerin, die den Durchbruch nicht geschafft hat und sich deshalb via Liveticker in Blei gießt. Oder einer Tänzerin, die auf YouTube den Flügelschlag der Plisetskaja in Schwanensee solange studiert hat, bis sie einsehen musste, diesen niemals selbst in jener Vollendung zu schaffen. Also nimmt sie sich mit dem eigenen Spitzenschuh das Leben.

Nach Besichtigung dieser Installationen geht die virtuelle Zugfahrt weiter und führt das Publikum an einen Boxring. Dort wird man Zeuge skuriller und poetischer Dialoge bar jeder Political Correctness. Geredet wird über Integration, kulturelle Konflikte, Sexismus, Jugend, Alter, Mitgefühl, Egoismus oder Partnersuche im Web. Dazu wird getanzt, gesungen und musiziert, miteinander und aneinander vorbei.

Es gibt keine Story, nur Fragen, die in den großen Raum der Expedithalle geworfen werden. Antworten werden keine gegeben, außer der Einsicht, "dass es nur gemeinsam funktioniert", sagt Dogan. In diesem Sinn sei Enter Train als ein "abgründig unterhaltsamer Kommentar" zu verstehen. (bf, DER STANDARD, 21.10.2014)

Enter Train 23. bis 26.10.
11., Ankerbrot-Fabrik, Puchsbaumgasse 1c. 20.00

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