OMV-Krise hat Folgen für Unis und Wirtschaft

Kommentar der anderen20. Oktober 2014, 17:47
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Das größte österreichische Unternehmen ist auch einer der größten privaten Geldgeber für bestimmte Universitäten und Forschungszweige im Lande. Anders gesagt: Ohne OMV flutscht es dort nicht richtig

Durch die Entwicklungen der vergangenen Monate hat nicht nur die OMV als größtes österreichisches Industrieunternehmen Schaden erlitten, sondern auch der Wirtschaftsstandort Österreich als Ganzer. Das Zerwürfnis zwischen ÖIAG-Chef Rudolf Kemler und OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss hat Konsequenzen für die künftige Wettbewerbsfähigkeit wesentlicher Bereiche österreichischer Industrie- und Wirtschaftstätigkeit, jedenfalls soweit sie mit der Öl-, Gas- und Kunststoffwirtschaft verknüpft sind. In diesem Sektor sind mit OMV und dem Tochterunternehmen Borealis zwei der vier größten österreichischen Industrieunternehmen tätig.

Über die Bereitstellung von Sponsormitteln im zweistelligen Euro-Millionen-Bereich hat Roiss in den Jahren, seit er den Vorstandsvorsitz der OMV innehat, nicht nur neue Finanzierungsmodelle für spezifische Exzellenz-Aktivitäten an mehreren heimischen Universitäten gesetzt, sondern auch völlig neuartige Akzente für sogenannte Public-Private-Partnership-Modelle geschaffen. Besonders profitiert haben davon die Montanuniversität Leoben, die Johannes-Kepler-Universität Linz, die Wirtschaftsuniversität Wien sowie das Vienna Biocenter.

Führend bei Kunststoffen

Auch wir im Kunststoffbereich an der Johannes-Kepler-Universität (JKU) waren und sind Nutznießer dieser Kooperationen mit OMV und Borealis. Durch eine Initiative Roiss' und mit seiner Unterstützung wurde seit 2006 der Bereich Polymerchemie und Kunststofftechnik an der JKU kontinuierlich ausgebaut und gestärkt. Mit einem Bachelorstudium und drei Masterstudien existiert an der JKU mittlerweile das breiteste akademische Kunststoffprogramm Europas und vermutlich sogar weltweit.

Millionen zusätzlich

Allein in den letzten fünf Jahren wurden im Bereich der neu etablierten JKU Kunststofftechnik über das reguläre Budget hinaus etwa 20 Millionen Euro an zusätzlichen Finanzierungsmitteln für kooperative Großforschungsvorhaben als Drittmittel, wieder unter Beteiligung von OMV und Borealis, akquiriert. Gemeinsam mit dem Studium Kunststofftechnik an der Montanuniversität haben sich gleichzeitig die Studierendenzahlen in Österreich im Bereich Kunststofftechnik mehr als verdoppelt. Wie wichtig dies auch aus wirtschaftlich-industrieller Sicht ist, kann man daran ermessen, dass die Anzahl der Beschäftigten in der Kunststoffwirtschaft zum Beispiel in Oberösterreich um einen Faktor 5 bis 6 (!) über dem EU-Durchschnitt liegt - und dies in einem Hightechbereich mit besten Zukunftsperspektiven.

Noch beeindruckender im Hinblick auf die Anzahl von Studierenden in einem Technikbereich sind die Wirkungen des OMV-Engagements an der Montanuniversität Leoben. Auf Initiative und in enger Kooperation mit der OMV wurde 2013 an der Montanuniversität ein neues Studienprogramm für Petroleum Engineering mit dem Kernstück einer "International Petroleum Academy" eingerichtet. Durch begleitende Werbemaßnahmen der Universität und der OMV ist die Anzahl der Erstinskribienten dieser Studienrichtung im Herbst 2014 auf knapp 190 hochgeschnellt. Im Vergleich zum Durchschnitt der fünf Jahre davor (ca. 70 Erstinskribienten) entspricht dies einem sagenhaften Zuwachs um den Faktor 2,6. Parallel dazu ist auch die Gesamtzahl der Erstzulassungen im eben begonnenen akademischen Jahr an der Montanuniversität um den Faktor 1,7 auf ein Allzeithoch angestiegen. Damit haben auch eine Reihe anderer Studienrichtungen an der Montanuniversität von der OMV-Initiative profitiert.

Langfristig exzellent

Das Bemerkenswerte bei diesen Kooperationen ist, dass sie durchwegs langfristig angelegt und auf Internationalität und Exzellenz ausgerichtet sind, wobei es gleichzeitig keinerlei Einschränkungen im Hinblick auf die universitäre Unabhängigkeit und Freiheit der Lehre und Forschung gibt. Ich betone dies deshalb, weil dieser Aspekt keineswegs selbstverständlich, aber dennoch essenziell für eine langfristige auf Exzellenz abzielende Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Wirtschaft ist. Damit können derartige Kooperationen Modell stehen für weitere Aktivitäten, um österreichische Universitäten in internationalen Rankings künftig wieder besser zu positionieren. (Reinhold W. Lang, DER STANDARD, 21.10.2014)

Reinhold W. Lang (Jahrgang 1954, war von 1991 bis 2009 Professor im Bereich Kunststofftechnik an der Montanuniversität Leoben, hat von 2002 bis 2008 als Geschäftsführer und Wissenschaftlicher Direktor das Polymer Competence Center Leoben (PCCL) auf- und ausgebaut und ist seit 2009 Professor im Bereich Kunststofftechnik an der Johannes-Kepler-Universität Linz.

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