Zielgerichtete Therapie auch bei Colitis und Morbus Crohn

20. Oktober 2014, 16:15
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Internationale Experten präsentierten bei der Gastroenterologie-Woche in Wien neue Therapiemöglichkeiten

Eine wirksame zielgerichtete Therapie mit hoher Wirksamkeit gibt es jetzt auch bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. In schweren Fällen kommt es dadurch bei einem erheblichen Prozentsatz der Patienten zu einem Rückgang der Erkrankung. Das erklärten Experten bei der Gastroenterologie-Woche in Wien.

Spezifische Medikamente

Rund ein Prozent der Weltbevölkerung - ziemlich gleichförmig verteilt über den Erdball - leiden an den quälenden chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Ständiger Durchfall, Bauchkrämpfe und schwerste Darmschäden können die Folge sein.

Bei etwa 25 Prozent der Betroffenen handelt es sich um eine schwere Verlaufsform. Neben immunsupprimierenden Medikamenten und Cortison (auch zur Verhinderung von chirurgischen Eingriffen mit Entfernung von Darmabschnitten) etablieren sich jetzt spezifischer wirksame Medikamente.

"Mit Vedolizumab wurde in Frühjahr in den USA und der EU ein neues Medikament breit für die Behandlung von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zugelassen, das sehr spezifisch Integrine auf Lymphozyten hemmt, mit denen sie aus den Blutgefäßen ins Gewebe eindringen", sagte der aus Graz stammende und in Cambridge forschende Spezialist Arthur Kaser am Kongress.

Monoklonale Antikörper

Nur jene weißen Blutkörperchen, die federführend an chronischen Darmentzündungen beteiligt sind, tragen an ihrer Oberfläche Alpha-4-Beta7-Moleküle. Genau hier setzt die Wirkung der humanisierten, gentechnisch hergestellten monoklonalen Antikörper an.

Spezifisch ist der Effekt, weil zum Beispiel Lymphozyten, die in andere Organe einwandern, auch andere Oberflächenmerkmale tragen. Bei ihnen greift Vedolizumab nicht an. In klinischen Studien ließ sich bei Patienten mit schweren Verlaufsformen der Erkrankungen der Anteil jener Personen, bei denen es zu einem deutlichen Rückgang der Erkrankung kam im Vergleich zu Placebo in etwa verdoppeln.

Etwas geringer als bei der Colitis ulcerosa war der Effekt bei Ausheilung der Schleimhautschäden im Darm bei Morbus Crohn unter Verwendung des neuen Medikaments. Auch wenn bisher verwendete High-Tech-Medikamente (TNF-alpha-Blocker) nicht halfen, konnte eine Wirkung beobachtet werden. Die Nebenwirkungen waren in den Studien mit rund 3.000 Patienten laut Kaser relativ gering. Der Kortison-Gebrauch zur akuten Entzündungsdämpfung nahm bei den Behandelten deutlich ab.

Transplantation der Keimflora

Es muss nicht ein molekularbiologisch ausgeklügeltes Medikament sein, das in der Gastroenterologie hilft. Die Transplantation der Keimflora des Darms von gesunden Personen auf Patienten mit schweren, wiederholten und potenziell gefährlichen Clostridium difficile-Infektionen kann diese häufige Darminfektion vor allem bei Spitalspatienten ausheilen.

Infektionen durch C. difficile sind die häufigste Ursache von im Krankenhaus erworbener Diarrhoe und steht mit großer Krankheitsbelastung und deutlich erhöhter Sterblichkeit bei den betroffenen Patienten in Verbindung. Wahrscheinlich kommt es dabei durch Schädigung der natürlichen Keimflora des Darms zu einer Nische, in der die C. difficile-Bakterien ungebremst wachsen können. Das kann bis zur Darmperforation und zu Sepsis führen.

"Die fäkale Mikrobiota-Transplantation ist ein altes Verfahren, das sich in jüngster Zeit zunehmender Beliebtheit erfreut. Bei Patienten mit wiederholter C. difficile-Infektion, die äußerst schwer zu behandeln ist, eliminiert FMT die Bakterien in rund 90 Prozent der Fälle, und zwar mit gutem Sicherheitsprofil", sagte Antonio Gasbarrini von der Gemelli-Universitätsklinik in Rom. Erste Versuche dazu hatte es bereits in den 1950er-Jahren gegeben.

Bei dem Kongress wurde am Montag auch eine Vergleichsanalyse der Erkrankungshäufigkeit, der Diagnose- und Therapieangebote und der Mortalität von Patienten mit verschiedenen gastroenterologischen und hepatologischen Erkrankung in 28 Staaten Europas präsentiert. Bei einem Gutteil konnten allerdings für Österreich keine Aussagen getroffen werden. Es fehlte an den dazu notwendigen Daten. (APA, derStandard.at, 20.10.2014)

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