Bauern bereiten sich auf Ende der Milchquote vor

20. Oktober 2014, 15:57
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Ein Fünftel mehr Milch soll es geben, wenn es die Milchquoten nächstes Jahr nicht mehr gibt, rechnet die Landwirtschaftskammer vor

Mondsee - Trotz spürbarer Auswirkungen des Russlandembargos auf die heimische Milchwirtschaft und dem baldigen der EU-Milchquotenregelung ist die Branche optimistisch. Durch eine wachsende Weltbevölkerung und einen höheren Lebensstandard werde die Nachfrage langfristig steigen, sagte am Montag der Präsident der oberösterreichischen Landwirtschaftskammer, Franz Reisecker, bei einer Pressekonferenz.

Bei der von der Österreichischen Landwirtschaftskammer in Mondsee organisierten Tagung setzte sich die Branche mit den Zielen für die Zeit nach dem Auslaufen der Milchquote Ende März 2015 auseinander. Mittelfristig werde die Milchmenge deswegen in Europa um 20 Prozent steigern, rechnete Hermann Schultes (ÖVP), Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich vor.

Mehr Milch

Schon heuer werde die europäische Milchmenge im Vorfeld des Auslaufens der Quote auf 150 Mio. Tonnen um vier bis fünf Prozent wachsen. Die Mehrmengen werden vor allem von Deutschland, Österreich oder den Niederlanden kommen, sagte Schultes zur APA. In Osteuropa sei die Produktion seit längerem rückläufig.

Für Österreich erwartet Schultes durch die höheren Mengen heuer eine Zusatzabgabe von 63 bis 70 Mio. Euro an die EU. Österreich habe einen "übergroßen Anteil" an dieser europäischen Abgabe, meinte der LK-Präsident. Das zeige auch, wie stark die Quote die heimischen Erzeuger bisher behindert habe. Die Fläche werde künftig einer der wesentlichen begrenzenden Faktoren bei der Milchproduktion in Europa werden, so Josef Moosbrugger, Präsident der LK Vorarlberg und Vorsitzender des Ausschusses für Milchwirtschaft der LK Österreich.

Mehr Exporte

Die Experten erwarten mittelfristig eine Erhöhung des Milchpreises um 20 Prozent. "Das ist durchaus realistisch", sagte Reisecker. Um die Mehrmengen unterzubringen, muss der Export wachsen. Die Exportquote werde sich in den nächsten Jahren von derzeit 48 auf 60 Prozent erhöhen, waren sich die Vertreter der Milchwirtschaft einig. Die Branche müsse auch weiterhin auf Qualität setzen, die Billigschiene sei für Österreich keine Option, betonte Schultes. Ziel sei es, veredelte Produkte und nicht Massenware zu verkaufen.

Nach Österreich gehören Deutschland und Italien zu den wichtigsten Absatzmärkten. Unter anderem gelten Ex-Jugoslawien, Nordafrika oder Asien als interessante Abnehmerländer für heimische Milch.

Mehr Käse und Butter in EU

Österreich exportiert derzeit aber in insgesamt 102 Länder Milchprodukte. Vom Gesamtmarkt von 1,1 Mrd. Euro habe Russland einen Anteil von 13 Mio. Euro, erläuterte Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung österreichischen Milchverarbeiter. Das Importembargo störe den Markt enorm. Es seien dadurch 250.000 Tonnen Käse und 35.000 Tonnen Butter zusätzlich am EU-Markt, der von der Importsperre betroffen ist.

Kritik übte Schultes an der Verschleuderung von Milchprodukten durch den Handel. Die Russland-Krise werde noch einige Zeit Unruhe in den Markt bringen. Aber es gebe keinen Grund, dadurch die Milch in Wien zu verramschen, sagte Schultes. Die Qualität der heimischen Milchprodukte sei durch den Russland-Konflikt nicht schlechter geworden. (APA, 20.10.2014)

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