Ausbau des Cloud-Geschäfts bremst Gewinnwachstum bei SAP

20. Oktober 2014, 15:20
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Gewinnprognose für 2014 auf 5,6 bis 5,8 Mrd. Euro gesenkt - McDermott: Effekt nur kurzfristig, langfristig profitabler - Cloud-Umsätze stark gestiegen - Lizenzumsatz gesunken

Die Umstellung des Geschäftsmodells auf die Cloud versetzt den Gewinnaussichten von SAP erneut einen Dämpfer. Der deutsche Marktführer für Firmensoftware senkte am Montag seine Prognose für das operative Ergebnis in diesem Jahr: Es werde eine Spanne von 5,6 bis 5,8 Mrd. statt 5,8 bis 6,0 Mrd. Euro erreicht - nach 5,48 Mrd. im Vorjahr, teilte SAP mit.

Grund sei der Wechsel vom Lizenzgeschäft zum Cloud-Computing: Die Kunden ersetzten traditionelleSoftware-Lizenzen zunehmend durch zunächst günstigere Mietsoftware aus dem Internet. SAP-Chef Bill McDermott betonte, der Effekt gebe sich nach der starken Wachstumsphase, langfristig werde die Profitabilität des Dax-Konzerns wieder steigen.

Finanzchef Luka Mucic sagte Reuters, es werde keine Abstriche am Ziel des Cloud-Wachstums geben. "Unsere Priorität ist, jetzt so schnell wie möglich und so stark wie möglich in der Cloud zu wachsen - also Neugeschäft zu machen", sagte Mucic. Bisher seien fast 90 Prozent der Cloud-Nutzer SAP-Stammkunden, gut zehn Prozent würden neu von außen gewonnen.

Der Wechselkurs soll den Gewinn 2014 nicht mehr belasten, da der Euro sich inzwischen zum Dollar und anderen Währungen abgeschwächt hat. Vor drei Monaten hatte SAP noch eine Belastung des Betriebsergebnisses von zwei Prozent erwartet, jetzt könnte sie ganz wegfallen. Damit hat SAP sein Gewinnversprechen um rund 300 Mio. Euro gekappt, verdient voraussichtlich aber noch immer zwei bis sechs Prozent operativ mehr als 2013. Anfang des Jahres hatte der Konzern aus Walldorf das mittelfristige Ziel einer operativen Umsatz-Rendite von 35 Prozent wegen des Cloud-Ausbaus von 2015 auf 2017 verschoben.

Die Aktie ging wegen der Gewinnwarnung auf Talfahrt und war mit einem Minus von fast fünf Prozent größter Verlierer im Dax. "SAP ist erfolgreich in der Cloud, die Wachstumsdynamik nimmt zu - das geht zulasten der Marge, denn das Lizenz-Geschäft wird kannibalisiert", erklärte Mirko Maier, Analyst von der Landesbank Baden-Württemberg.

Cloud-Software ist für die Kunden günstiger, da sie eine vergleichsweise geringe Gebühr über einen längeren Vertragszeitraum zahlen, statt sich eine Software-Lizenz zum relativ hohen Einmalpreis zu kaufen. SAP ist hinter dem US-Marketingspezialisten Salesforce.com bereits die Nummer zwei am Markt für die Software von der Stange. McDermott strebt den ersten Platz an. Doch der Cloud-Ausbau setzt SAP wegen der hohen Abhängigkeit vom Lizenzverkauf vorerst unter Druck, zumal die Konkurrenz durch viele Nischenanbieter groß ist.

Im dritten Quartal beschleunigte sich das Cloud-Wachstum: SAP erlöste von Juli bis September mit 278 Mio. Euro gut 40 Prozent mehr mit Cloud-Abonnements als im Vorjahreszeitraum. Am Rückgang der Lizenzerlöse im dritten Quartal um drei Prozent auf 952 Mio. Euro ist allerdings erkennbar, dass das Cloud-Geschäft angestammtes Geschäft verdrängt. Seit Jänner stieg der Anteil des Cloud-Geschäfts am Gesamtumsatz von rund vier auf gut sechs Prozent. Kein anderes Unternehmen wachse in der Sparte so stark wie SAP - und bleibe dabei profitabel, betonte Mucic. Das Umsatzziel für Cloud-Software hob SAP leicht an auf 1,04 bis 1,07 Mrd. Euro von bisher 1,00 bis 1,05 Mrd. Euro. Die jüngst angekündigte Übernahme des US-Unternehmens Concur, einem Anbieter von Software zum Dienstreisemanagement, ist noch nicht enthalten, da sie erst Anfang 2015 vollzogen wird.

Der Softwarekonzern übertraf beim Umsatz die Prognose von Analysten, während das Betriebsergebnis leicht hinter den Erwartungen zurückblieb. Von Juli bis September steigerte SAP den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum währungsbereinigt um fünf Prozent auf 4,256 Mrd. Euro. Das um Wechselkurse und Sondereinflüsse bereinigte operative Ergebnis legte um drei Prozent auf 1,36 Mrd. Euro zu. Die operative Marge sank leicht auf 31,8 Prozent - bis 2017 soll sie aber auf 35 Prozent steigen. (APA, derStandard.at, 20.10.2014)

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