Forscher entdeckten früheste Spuren von Bergbau in der Steiermark

20. Oktober 2014, 14:35
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Im steirischen Eisbach bei Stift Rein dürfte schon im ausgehenden Mittelneolithikum Hornstein abgebaut worden sein

Graz - Bereits seit 2009 führen Archäologen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und des Universalmuseums Joanneum archäologische Grabungen auf einer Geländekuppe nordöstlich des Stiftes Rein in der steirischen Gemeinde Eisbach durch.

Wie die Forscher um Michael Brandl und Daniel Modl nun berichten, entdeckten sie dabei Sensationelles: Auf dem sogenannten "Hochfeld", einer etwa 4 Hektar großen Wiesenfläche, wurde offenbar bereits im ausgehenden Mittelneolithikum in tiefen Gruben Hornstein (auch Feuerstein oder Silex) in Form von Platten abgebaut.

"Wir haben Silex, das Bearbeitungsspuren aufweist, in Brandschichten mit guter Holzkohleerhaltung gefunden und konnten über die Radiokarbonanalyse das Fundmaterial datieren", so Brandl. Damit lassen sich die frühesten gesicherten Bergbauspuren in der heutigen Steiermark gleich um mehrere Jahrtausende zurückdatieren: Bereits ca. 4500–3800 vor unserer Zeitrechnung dürfte hier Hornsteinbergbau betrieben worden sein. Bisherige Funde belegten einen bronzezeitlichen Kupferabbau im Paltental in der Obersteiermark als die frühesten Bergbauspuren.

Geräte aus Hornstein weit verbreitet

Der einzige vergleichbare prähistorische Bergbau in Österreich findet sich im heutigen 23. Wiener Gemeindebezirk, in Mauer, wo auf der sogenannten Antonshöhe ungefähr zur selben Zeit Radiolarit - eine Varietät von Hornstein - abgebaut wurde. Geräte aus "Reiner Hornstein" finden sich heute nahezu in jeder kupferzeitlichen Fundstelle in der Steiermark und lassen damit bereits in der Jungsteinzeit für Südostösterreich intensive und weitreichende Tausch- bzw. Handelssysteme für dieses Rohmaterial erkennen.

Im Rahmen der diesjährigen Grabungsarbeiten entdeckten die Forscher einen ca. zwei Meter breiten Mündungsbereich einer isoliert liegenden Pinge. Diese Vertiefung, die bei Bergbauarbeiten entsteht, soll in künftigen Grabungen vollständig erforscht werden.

Die Forscher hoffen, durch zusätzliche Datierungen und die Aufarbeitung neuen Fundmaterials den Abbau zeitlich noch enger eingrenzen zu können. Erste Forschungsergebnisse sollen in den kommenden Monaten veröffentlicht werden. (red, derStandard.at, 20.10.2014)

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