Unterwegs in Kappadokien und Trabzon

Blog21. Oktober 2014, 10:00
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Familie Derfler besichtigte die unterirdische Stadt Derinkuyu und erlebte die türkische Gastfreundschaft bei einem mehrgängigen Menü

Unsere Reise durch die Türkei ging weiter. In Kappadokien angelangt, starteten wir mit der Besichtigung der unterirdischen Stadt Derinkuyu. Den Touristenmassen entgingen wir, da wir bereits am frühen Vormittag dort waren. Für die Besichtigung empfiehlt es sich, einen Führer direkt vor Ort zu buchen. Günstiger wird es, wenn man sich dafür einfach mit anderen Reisenden zusammen tut.

Derinkuyu mit seinen unterirdischen Tunnelsystemen ist sehr beeindruckend. Nicht nur, dass eine gesamte Stadt unter der Erde angelegt wurde, es existieren sogar Tunnel zu den Nachbarstädten. So faszinierend dies auch ist: Mit klaustrophobischer Veranlagung sollte man es sich jedoch gut überlegen, ob man wirklich in dieses Tunnelsystem hinab steigen will.

foto: katharina derfler
Die unterirdische Stadt Derinkuyu.

Danach ging es weiter in Richtung Göreme. Obwohl wir Bilder dieser Region kannten, überraschten uns die bizarren Landschaften. So etwas hatten wir noch nie zuvor gesehen. Die Tuffsteinfelsformationen mit den in den Fels geschlagenen Häusern und Kirchen wirken so surreal, dass man nur noch darauf wartet Gnome, Trolle und Feen zu erblicken. Spontan beschlossen wir, ein paar Tage hier zu verweilen und machten und auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz.

foto: katharina derfler
Die Landschaft von Göreme.

Ein undefinierbares Fauchen weckte uns früh am nächsten Morgen und wieder einmal konnten wir unseren Augen nicht trauen als wir aus den Fenstern unseres Busses blickten: Unzählige Ballone schwebten über uns hinweg, manche hoch oben in der Luft, andere so niedrig, dass man sie mit der Hand hätte berühren können.

foto: katharina derfler
Morgendliches Ballonspektakel.

Trabzon - unverhofft kommt zu oft

Weiter ging es nach Trabzon, um unser Visa für den Iran zu bekommen. Als wir in Trabzon ankamen, hatten wir noch einiges zu erledigen bevor wir uns zum Iranischen Konsulat begeben konnten.

Auf der Suche nach einem Schlafplatz in der Nähe von Trabzon wurden wir in einem kleinen Bergdorf fündig. Ein ehemaliger Dorflehrer lud uns zu sich nach Hause zum Teetrinken ein. Gerne nahmen wir diese Einladung an.

Es sollte jedoch dauern bis wir den Tee serviert bekamen. Zuerst wurden wir darüber informiert, dass um 21 Uhr Trabzonspor spielt. Danach wurden uns Weintrauben aus dem Garten angeboten, bevor wir eine köstliche Suppe serviert bekamen, gefolgt von einem selbst gefangenen Fisch. Das Ganze wurde mit selbst gebackenem Brot aufgetischt, einem Salat aus dem Garten und einer Variation aus Bohnen. "All organic!" wurde dabei immer wieder betont und als wir bei den Familienfotos angekommen waren wurde uns auch endlich der Tee serviert.

foto: katharina derfler
Familie Derfler mit dem Dorflehrer.

Kein Überfall, sondern eine Einladung

Unsere Ruhe dauerte aber nicht lange den gegen 23 Uhr schlich jemand mit einer Taschenlampe um unseren Bus herum. Noch bevor Jakob hinausspähen konnte klopfte es an der Tür. Die Hunde, die zuvor noch fest geschlafen hatten, bellten plötzlich voller Tatendrang. Als Jakob den Kopf aus dem Fenster steckte stand dort ein Mann mittleren Alters der ihn freundlich grüßte und fragte, ob wir etwas essen wollen. Wir versuchten ihm zu erklären dass wir schon bei seinem Nachbar eingeladen wurden, verabschiedeten uns und legten uns wieder nieder.

Nach kurzer Suche standen wir am nächsten Tag vor dem Konsulat, einem schönen Gebäude mit orientalischer Bemalung, um das Visum für den Iran zu beantragen. Noch bevor wir die Glocke am Tor erreichten, kam ein Wachmann auf uns zu und fragte: "Visa?" Wir nickten und er antwortete: "No Visa today." Danach winkte er uns zu sich und zeigte uns einen Zettel auf dem zu lesen war, dass das Konsulat diese Woche aus administrativen Gründen geschlossen sei.

Sieben Tage Trabzon

Wir hatten nun das Problem einen Platz zu finden wo man mit Kindern und Hunden eine ruhige Woche verbringen kann. In einer Stadt mit 300 000 Einwohnern gar nicht so einfach, aber wir hatten Glück und fanden ein ruhiges Plätzchen direkt am Strand neben einer Art Fischer-Zelt-Hütte.

foto: katharina derfler
Stellplatz in Trabzon.

Im Laufe der Woche kamen vier verschiedene Personen vorbei und erklärten uns, dass das ihre Hütte sei. Wir könnten uns ruhig hinsetzen Tee trinken oder Wasser und Strom beziehen. Wem die Hütte aber wirklich gehört, konnten wir nicht herausfinden.

Einer der Männer war ein alter Mann, der uns jeden Tag einmal besuchen kam und entweder Süßigkeiten für die Kinder oder eine Packung Zigaretten für Jakob vorbeibrachten - und dabei unseren Bus neugierig begutachtete.

Ein Mahl der anderen Art

Gelegentlich begleitete ihn seine Katze und er fragte uns ob wir Futter für sie hätten. Natürlich kein Problem denn wir hatten einen 15kg Hundefuttersack bester türkischer Qualität und holten aus dem Sack eine gute Handvoll heraus und übergaben sie ihm.

Seine Augen begannen zu leuchten, als er sich das erste Stückchen genüsslich in den Mund schob. Anerkennend nickte er und warf der Katze gönnerhaft ein paar Bröckchen hin bevor er die restliche handvoll vernaschte. Der türkischen Gastfreundschaft entsprechend bot er auch den Kindern eine Kostprobe an und war ganz verwundert darüber, dass sie verweigerten.

Kurz überlegten wir ihm noch einmal mitzuteilen, dass es sich hierbei um Hundefutter handelte, verwarfen den Gedanken aber da er so seelig mit unseren Köstlichkeiten wirkte. (Katharina Derfler, derStandard.at, 21.10.2014)

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