Ölrausch: Proteste in Spanien

3. November 2014, 08:21
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125.000 Menschen haben gegen Probebohrungen vor Ibiza und Mallorca unterschrieben

Palma de Mallorca - Es ist jetzt nicht so, dass Spanien arm an Sonne und Wind ist. Erneuerbare Energien wurden in den vergangenen Jahren auch ordentlich ausgebaut. Nachdem die Regierung im Frühjahr dieses Jahres die Verringerung von Subventionen für Ökoenergie verkündet hatte, könnte sich das Land aber wieder vermehrt Öl und Gas zuwenden. Dabei wird auch vor Urlaubsparadiesen nicht zurückgeschreckt: Sowohl vor den Kanarischen Inseln als auch vor den Balearen könnten bald Probebohrungen stattfinden.

Gegen die geplanten Ölerschließungen regt sich erheblicher Widerstand. Die spanische Regierung erhielt im Rahmen der öffentlichen Kommentierung rund 125.000 offizielle Beschwerden gegen die Vorhaben von Cairn Energy und anderen Ölkonzernen, vor den Balearen nach fossilen Energieträgern zu suchen. 117.000 Unterschriften kamen direkt von Einwohnern der Balearen. Das ist beeindruckend, weil die Inselgruppe, zu der auch die Urlaubsdestinationen Mallorca, Menorca und Ibiza gehören, kaum mehr als 1,1 Millionen Einwohner zählt.

Kritik von Reiseverbänden

Auch der österreichische Reiseverband und sein Schweizer Pendant - zusammen sind darin 1200 Reiseveranstalter vertreten - haben offiziell Kritik am Vorhaben angemeldet. Sie fürchten freilich auch ökonomische Nachteile für den Tourismus: Für das Image der mediterranen Inselgruppe wären Ölerschließungen nicht unbedingt förderlich.

Laut "Alianza Mar Blava", in der sich Personen aus mehr als 70 lokalen Gruppen aus Politik, Umweltschutz, Sport und Tourismus engagieren, muss die Regierung in Bälde über die Erlaubnis für seismische Untersuchungen entscheiden. Das Ergebnis einer Umweltverträglichkeitsprüfung ist noch ausständig.

Untersuchungen mit Schallkanonen

Bei den seismischen Untersuchungen werden von einem Schiff aus im Abstand von etwa zehn Sekunden mit Airguns (Schallkanonen) etwa 230 Dezibel laute Luftdruckexplosionen erzeugt. Die Schallwellen durchdringen den Meeresgrund, geologische Schichten reflektieren den Schall unterschiedlich, womit potenzielle Öl- und Gasbestände ausgemacht werden können. Die Umweltschutzorganisation OceanCare kritisiert, dass der Unterwasserlärm direkte Auswirkungen für Meerestiere habe. Fische und andere Tiere würden aufgrund des Lärms Stress und Belastungen ausgesetzt, was sogar zum Tod oder zur Strandung von Meeressäugern führen könne.

Laut spanischen Medienberichten soll es im April 2013 im Meer vor Mallorca bereits nicht genehmigte seismische Untersuchungen durch das Unternehmen Seabird gegeben haben. Wissenschafter vor Ort haben atypische Verhaltensmuster bei Pottwalen dokumentiert. "Behörden und Ölindustrie hüllen sich jedoch in Schweigen", sagt Nicolas Entrup von OceanCare. Im Juni 2013 kam es auch zu Delfinstrandungen. Allerdings wurden diese nicht veterinärmedizinisch untersucht, da zu diesem Zeitpunkt keine Informationen über die zeitgleichen seismischen Untersuchungen vorlagen.

Referendum auf den Kanarischen Inseln

Wie auf den Balearen sind auch Bürger der Kanaren gegen geplante Ölbohrungspläne. Für 23. November kündigte die Regionalregierung der Kanarischen Inseln ein Referendum an: Die Bürger sollen abstimmen dürfen, ob sie dem Tourismus oder dem Öl den Vorzug geben wollen. Der Ölkonzern Repsol mit Sitz in Madrid hat bereits die Erlaubnis bekommen, drei Probebohrungen vorzunehmen. Spaniens Regierung will die Befragung verbieten. (David Krutzler, DER STANDARD, 23.10.2014)

  • Auch an den Stränden nahe Palma de Mallorca wurde gegen die geplanten Ölbohrungen demonstriert.
    foto: apa/epa/montserrat t. diez

    Auch an den Stränden nahe Palma de Mallorca wurde gegen die geplanten Ölbohrungen demonstriert.

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